Ur­laubs­zeit ist Rei­se­zeit. Was tun, wenn mein Rei­se­ver­an­stal­ter plei­te geht?

Je­der der schon ein­mal ei­ne Pau­schal­rei­se ge­bucht hat, kennt ihn, den so­ge­nann­ten „Si­che­rungs­schein“. Der Si­che­rungs­schein soll ga­ran­tie­ren, dass ei­nem Rei­sen­den kein Scha­den ent­steht, wenn der Rei­se­ver­an­stal­ter zah­lungs­un­fä­hig wird und da­durch die Rei­se­leis­tung nicht mehr er­bracht wird. Nach­dem die eu­ro­päi­sche Uni­on durch die „Pau­schal­rei­se­richt­li­nie“ die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet hat­te, Rei­sen­de vor dem In­sol­venz­fall des Rei­se­un­ter­neh­mers zu schüt­zen, re­agier­te der deut­sche Ge­setz­ge­ber mit ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung im bür­ger­li­chen Ge­setz­buch. Dem­nach hat der Rei­se­ver­an­stal­ter si­cher­zu­stel­len, dass Rei­sen­den der ge­zahl­te Rei­se­preis er­stat­tet wird, so­weit we­gen In­sol­venz die ent­spre­chen­den Rei­se­leis­tun­gen nicht er­bracht wer­den. Die­ses Aus­fall­ri­si­ko wird in der Re­gel durch ei­ne Ver­si­che­rung ab­ge­deckt und ge­gen­über dem Pau­schal­rei­sen­den durch den Si­che­rungs­schein ga­ran­tiert, der zu­sam­men mit den Bu­chungs­un­ter­la­gen aus­ge­hän­digt wird.

Ei­ne bö­se Über­ra­schung er­leb­te in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings ein Ham­bur­ger Ehe­paar, wel­ches auf ei­ne be­trü­ge­ri­sche Ma­sche her­ein­ge­fal­len war. Das Ehe­paar hat­te bei ei­ner Ge­sell­schaft, wel­che es für ei­nen Rei­se­ver­an­stal­ter hielt, ei­ne Rei­se ge­bucht. Die­ses Un­ter­neh­men hat­te je­doch tat­säch­lich nie vor, ir­gend­wel­che Rei­sen aus­zu­füh­ren. Zweck der Un­ter­neh­mung war al­lein ge­we­sen, von Ur­laubs­in­ter­es­sen­ten An­zah­lun­gen zu er­gau­nern. Nach Auf­flie­gen des Be­tru­ges er­klär­te sich die Ge­sell­schaft für zah­lungs­un­fä­hig und an­nul­lier­te die ge­buch­te Rei­se. Da man dem Ehe­paar ent­spre­chen­de Si­che­rungs­schei­ne über­ge­ben hat­te, wand­te sich die­ses an die an­ge­ge­be­ne Ver­si­che­rung. Der Schreck war groß, als die Ver­si­che­rung die Leis­tung mit der Be­grün­dung ver­wei­ger­te, die EU-Richtlinie schüt­ze die Ver­brau­cher nur vor der In­sol­venz, je­doch nicht vor be­trü­ge­ri­schen Ma­chen­schaf­ten ei­nes Pau­schal­rei­se­ver­an­stal­ters.

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof sah dies je­doch an­ders: die Pau­schal­rei­se­richt­li­nie ga­ran­tie­re den Schutz des Ver­brau­chers in der Wei­se, dass die Rück­rei­se und auch die Er­stat­tung der von ihm ge­zahl­ten Be­trä­ge für den Fall der Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder des Kon­kur­ses des Rei­se­ver­an­stal­ters si­cher­ge­stellt sein müss­ten. An kei­ner Stel­le gä­be es ei­ne Ein­schrän­kung we­gen be­trü­ge­ri­scher Hand­lun­gen des Rei­se­ver­an­stal­ters. Auch, wenn da­her im vor­lie­gen­den Fall der Rei­se­ver­an­stal­ter es von vor­ne her­ein nur auf das Geld der Ur­lau­ber ab­ge­se­hen hat­te, sei die Ver­si­che­rung zur Er­stat­tung der ge­zahl­ten Be­trä­ge ver­pflich­tet.

Die­se ver­brau­cher­freund­li­che Aus­le­gung der Richt­li­nie zeigt, dass die EU ein ho­hes Ni­veau beim Ver­brau­cher­schutz an­strebt und sich Rei­se­lus­ti­ge auch im Fal­le be­trü­ge­ri­scher Rei­se­ver­an­stal­ter auf den Schutz des Si­che­rungs­schei­nes ver­las­sen kön­nen.

Da­mit führt die EU ih­re ver­brau­cher­freund­li­che Hal­tung im Rei­se­recht wei­ter fort, wel­che schon in der „Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung“ ih­re Aus­prä­gung fand. Nach die­ser Richt­li­nie ste­hen Flug­gäs­ten un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen und pau­scha­le Aus­gleichs­zah­lun­gen bis zu 600,00 € pro Per­son zu, wenn Flü­ge an­nul­liert wer­den oder sich die vor­ge­se­hen Ab­flug­zeit um mehr als drei Stun­den ver­zö­gert. In je­dem Fal­le lohnt es sich da­her, bei Är­ger mit ei­ner ge­buch­ten Rei­se die ei­ge­nen An­sprü­che prü­fen zu las­sen.