An­sprü­che bei Rei­se­män­geln – Was ist zu be­ach­ten?

Ei­gent­lich soll­te ei­ne Ur­laubs­rei­se ja Er­ho­lung brin­gen.

Aber lei­der stellt sich bei so man­chem Ur­lau­ber statt der er­hoff­ten Ent­span­nung nur her­be Ent­täu­schung ein, da die ge­buch­te Rei­se nicht das hält, was vor­her an­ge­kün­digt und er­war­tet wur­de.

Bei Vor­lie­gen von Rei­se­män­geln ste­hen dem Ur­lau­ber un­ter be­stimm­ten Vorraus­set­zun­gen An­sprü­che auf Min­de­rung (= Her­ab­set­zung des Rei­se­prei­ses), Scha­den­er­satz we­gen ver­ta­ner Ur­laubs­zeit, so­wie im Ex­trem­fall das Recht zur Kün­di­gung des Rei­se­ver­trags zu.

Ein An­spruch auf Min­de­rung des Rei­se­prei­ses setzt zu­nächst das Vor­lie­gen ei­nes Rei­se­man­gels vor­aus.

Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist ver­pflich­tet, die Rei­se so zu er­brin­gen, dass sie dem ver­trag­lich ge­schul­de­ten Um­fang ent­spricht.

So sind Rei­se­män­gel z.B. of­fen­sicht­li­che Ab­wei­chun­gen von der Pro­spekt­be­schrei­bung oder der Rei­se­be­stä­ti­gung (bei­spiels­wei­se Ab­wei­chun­gen von Zim­mer­aus­stat­tung, Ho­tel­ka­te­go­rie, Strand­ent­fer­nung, an­ge­kün­dig­ten Frei­zeit­an­ge­bo­ten) oder Flug­ver­spä­tun­gen ab vier Stun­den, bei Transatlantik-Flügen ab acht Stun­den.

Kein Man­gel liegt da­ge­gen vor bei blo­ßen Un­an­nehm­lich­kei­ten (quiet­schen­de Bet­ten, feh­len­der Dusch­vor­hang, de­fek­tes Ra­dio oder Te­le­fon, Aus­fall der Kli­ma­an­la­ge für ei­ne Nacht) oder bei orts­üb­li­chen Stö­run­gen (wie z.B. Be­läs­ti­gung durch In­sek­ten, ins­be­son­de­re in süd­li­chen und exo­ti­schen Län­dern; Al­gen auf dem Meer) oder wet­ter­be­ding­ten Um­stän­den (wenn z.B. im Ski­ge­biet kein Schnee liegt).

Wei­ter­hin setzt ein Min­de­rungs­an­spruch vor­aus, dass der Rei­se­man­gel un­ver­züg­lich bei der ört­li­chen Rei­se­lei­tung bzw., so­weit die­se nicht vor­han­den ist, beim Rei­se­ver­an­stal­ter an­ge­zeigt wor­den ist und dass der Rei­sen­de Ab­hil­fe (= Be­sei­ti­gung des Man­gels) ver­langt hat.

Hier­bei ist zu be­ach­ten, dass für ein Ab­hil­fe­ver­lan­gen grund­sätz­lich Flug­per­so­nal, die Ho­tel­re­zep­ti­on oder Ani­ma­teu­re nicht die rich­ti­gen An­sprech­part­ner sind.

Die Män­gel­an­zei­ge soll­te aus Be­weis­grün­den schrift­lich er­klärt wer­den. Eben­so soll­te der Rei­sen­de sich vom Rei­se­lei­ter vor Ort auch schrift­lich be­stä­ti­gen las­sen, dass er den Man­gel an­ge­zeigt hat. Des Wei­te­ren ist es rat­sam, den auf­ge­tre­te­nen Man­gel, so­weit mög­lich, zu do­ku­men­tie­ren (Fo­tos, Adres­se von Zeu­gen).

In­ner­halb ei­ner Frist von vier Wo­chen nach dem ver­ein­bar­ten En­de der Rei­se muss der Rei­sen­de den An­spruch auf Min­de­rung des Rei­se­prei­ses beim Rei­se­ver­an­stal­ter (nicht im Rei­se­bü­ro!) an­mel­den. Hier ist zu be­ach­ten, dass maß­ge­bend für das En­de der Rei­se der Tag ist, der in den Rei­se­un­ter­la­gen als Rück­rei­se­tag fest­ge­legt ist.

Der Rei­sen­de muss hier­bei al­le Män­gel ge­nau be­zeich­nen und muss deut­lich ma­chen, dass auf­grund die­ser Män­gel ei­ne Min­de­rung ver­langt wird (ei­ne ge­naue Be­zif­fe­rung des Min­de­rungs­be­trags ist nicht not­wen­dig).

Aus Be­weis­grün­den soll­te die­ses An­spruchs­schrei­ben per Einschreiben/Rückschein ver­sandt wer­den.

In wel­cher Hö­he der Rei­se­preis ge­min­dert wer­den kann, rich­tet sich vor al­lem nach der Art und In­ten­si­tät des Man­gels und nach der kon­kre­ten Be­ein­träch­ti­gung des Rei­sen­den.

Ei­nen An­halts­punkt für die Be­stim­mung der Min­de­rungs­hö­he gibt die Frank­fur­ter Ta­bel­le zur Rei­se­preis­min­de­rung; hier ist je­doch zu be­ach­ten, dass die­se Ta­bel­le un­ver­bind­lich ist und dass ein Rich­ter im­mer auf den kon­kre­ten Ein­zel­fall ab­stel­len wird.

Nach der Frank­fur­ter Ta­bel­le er­gibt sich bei­spiels­wei­se für Lärm in der Nacht ein Ab­schlag in Hö­he von 10% bis 40%, bei Un­ge­zie­fer im Zim­mer ein Ab­schlag von 10% bis 50%, bei feh­len­dem Mee­res­blick bei Zu­sa­ge ein Ab­schlag von 5% bis 10%, bei Un­mög­lich­keit des Ba­dens im Meer bei Zu­sa­ge ein Ab­schlag von 10% bis 20%, bei feh­len­der Kli­ma­an­la­ge im Spei­se­saal bei Zu­sa­ge ein Ab­schlag von 5% bis 10% des Ge­samt­rei­se­prei­ses.

Die An­sprü­che des Rei­sen­den ver­jäh­ren in­ner­halb von zwei Jah­ren, wo­bei zu be­ach­ten ist, dass in den all­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen des Rei­se­ver­an­stal­ters die Ver­jäh­rung auf ein Jahr ver­kürzt wer­den kann.

Um Feh­ler bei der Rei­se­män­gel­rü­ge vor­zu­beu­gen und beim Rei­se­ver­an­stal­ter ei­ne an­ge­mes­se­ne Ent­schä­di­gung zu er­hal­ten, kann es sinn­voll sein, ei­nen An­walt auf­zu­su­chen.