Auf­klä­rung bei me­di­zi­nisch nicht not­wen­di­ger Behandlung- Be­schnei­dung des männ­li­chen Kin­des -

Je­de me­di­zi­ni­sche Maß­nah­me be­darf der Ein­wil­li­gung, um kei­ne straf­recht­lich re­le­van­te Kör­per­ver­let­zung zu sein. Ei­ne Ein­wil­li­gung kann nur wirk­sam er­fol­gen, wenn die­ser ei­ne ent­spre­chen­de Auf­klä­rung vor­aus­ging. Bei ei­ner me­di­zi­nisch nicht not­wen­di­gen Be­hand­lung be­steht zu­dem ein be­son­de­res um­fang­rei­ches Auf­klä­rungs­er­for­der­nis, um dem Pa­ti­en­ten deut­lich zu ma­chen, dass die in Aus­sicht ge­nom­me­ne Be­hand­lung nicht er­for­der­lich ist und er sich des­halb Ri­si­ken aus­setzt, die kei­nen Hei­lungs­vor­teil ha­ben.

Ei­ne Maß­nah­me, die me­di­zi­nisch oft nicht er­for­der­lich ist, ist die Be­schnei­dung des männ­li­chen Kin­des.

Nach­dem im Jahr 2012 das Land­ge­richt Köln die Durch­füh­rung ei­ner Be­schnei­dung als straf­recht­lich re­le­van­te Kör­per­ver­let­zung be­ur­teilt hat­te, da die­se nicht me­di­zi­nisch not­wen­dig war und des­halb kei­ne wirk­sa­me Ein­wil­li­gung vor­lag, wur­de sei­tens des Ge­setz­ge­bers mit dem Be­schnei­dungs­ge­setz nach­ge­bes­sert. Durch § 1631d BGB wur­de ge­re­gelt, dass die Per­so­nen­sor­ge der El­tern auch das Recht um­fasst, in ei­ne me­di­zi­nisch nicht er­for­der­li­che Be­schnei­dung ei­nes nicht einsichts- und ur­teils­fä­hi­gen männ­li­chen Kin­des ein­zu­wil­li­gen, wenn die­se nach den Re­geln der ärzt­li­chen Kunst durch­ge­führt wer­de.

Die The­ma­tik der Be­schnei­dung des männ­li­chen Kin­des hat im re­li­giö­sen Kon­text Be­deu­tung, je­doch auch im Zu­sam­men­hang mit der Phi­mo­se­be­hand­lung. Der­zeit wird ei­ne neue Leit­li­nie zur Be­hand­lung der Phi­mo­se er­ar­bei­tet, de­ren Über­ar­bei­tung des­halb für er­for­der­lich ge­hal­ten wur­de, weil ei­ne Viel­zahl von Be­schnei­dun­gen we­gen Phi­mo­se durch­ge­führt wur­de, ob­wohl dies häu­fig me­di­zi­nisch nicht er­for­der­lich ist. Der Be­schnei­dungs­vor­gang ist ein er­heb­li­cher Ein­griff in das Ge­schlechts­or­gan des meist un­ter 10-jährigen Kin­des. Des­halb ist stets dar­auf zu ach­ten, dass die in die­sem Zu­sam­men­hang er­folg­te Auf­klä­rung be­son­ders um­fas­send ist, da­mit die El­tern über­haupt wirk­sam ein­wil­li­gen kön­nen. Von da­her wird im In­ter­es­se der Kin­der emp­foh­len, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, ob ei­ne me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit tat­säch­lich vor­liegt. Ist die­se nicht über­zeu­gend, so muss zu­min­dest ei­ne um­fang­rei­che Auf­klä­rung über die Kom­pli­ka­tio­nen, die sich dar­aus er­ge­ben kön­nen, er­fol­gen und es muss über die Schwie­rig­kei­ten, die sich in Fol­ge ei­ner durch­ge­führ­ten Be­schnei­dung er­ge­ben kön­nen, auf­ge­klärt wer­den.

Nur um­fas­send auf­ge­klär­te El­tern sind in der La­ge, wirk­sam in ei­ne me­di­zi­nisch nicht er­for­der­li­che Be­schnei­dungs­maß­nah­me ein­zu­wil­li­gen. Ist die me­di­zi­ni­sche Maß­nah­me nicht er­for­der­lich, son­dern eher äs­the­tisch, ist zu be­ach­ten, dass die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung bei me­di­zi­nisch nicht in­di­zier­ten äs­the­ti­schen Ope­ra­tio­nen die Ver­si­cher­ten in an­ge­mes­se­ner Hö­he an den Kos­ten be­tei­li­gen kann, wenn sich im Nach­gang ei­ne Kom­pli­ka­ti­on und so­mit ei­ne Er­kran­kung durch die nicht in­di­zier­te äs­the­ti­sche Ope­ra­ti­on ein­stellt. Glei­ches gilt für Krank­hei­ten, die sich nach Tä­to­wie­rung oder Pier­cing ein­stel­len.

Ge­ra­de bei me­di­zi­nisch nicht not­wen­di­gen Be­schnei­dungs­ein­grif­fen ist im Hin­blick auch auf psy­chi­sche Be­las­tun­gen, das Recht des Kin­des auf kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit und Wür­de zu be­rück­sich­ti­gen.

Auf das Ri­si­ko der durch­füh­ren­den Ärz­te, ei­ne straf­recht­lich re­le­van­te rechts­wid­ri­ge Kör­per­ver­let­zung zu be­ge­hen, ins­be­son­de­re bei me­di­zi­nisch nicht not­wen­di­gen Be­hand­lun­gen und un­zu­rei­chen­der Auf­klä­rung, wird noch­mals hin­ge­wie­sen.

Für wei­te­re Fra­gen zu die­sem The­ma steht Ih­nen Rechts­an­wäl­tin Krieg, Fach­an­wäl­tin für Me­di­zin­recht, ger­ne zur Ver­fü­gung.