BGH stärkt wei­ter Rech­te der Rei­sen­den

Ei­ne Rei­se soll der Er­ho­lung die­nen. Dies ist aber häu­fig nicht mehr der Fall, wenn der Rei­sen­de plötz­lich am Flug­ha­fen fest­stel­len muss, dass sein Flug Ver­spä­tung hat oder ver­scho­ben wur­de. Hier­aus er­ge­ben sich nicht nur lan­ge War­te­zei­ten, auch ver­kürzt sich da­durch der Ur­laub an sich oder An­schluss­flü­ge wer­den ver­passt.

Mehr als är­ger­lich ist es eben­so, wenn ein ge­plan­ter Rück­flug plötz­lich um meh­re­re Stun­den von der Flug­ge­sell­schaft vor­ver­legt wird.

Durch die EG-Verordnung 261/2004 ist mitt­ler­wei­le seit meh­re­ren Jah­ren ge­re­gelt, dass bei An­nul­lie­rung von Flü­gen durch eu­ro­päi­sche Flug­ge­sell­schaf­ten ei­ne Aus­gleichs­zah­lung an den Flug­gast für die An­nul­lie­rung von den Flug­un­ter­neh­men zu leis­ten ist.

Die Flug­ge­sell­schaft haf­tet nur dann nicht, wenn der Aus­fall des Flu­ges auf au­ßer­ge­wöhn­li­che Um­stän­de zu­rück­zu­füh­ren ist. Au­ßer­ge­wöhn­li­che Um­stän­de sind z.B. plötz­lich auf­tre­ten­de Un­wet­ter, Per­so­nal­streik, Tur­bi­nen­scha­den durch Vo­gel­schlag. Nicht als au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stand an­ge­se­hen wer­den von der Recht­spre­chung tech­ni­sche Pro­ble­me, Er­kran­kung des Pi­lo­ten, Feh­len von Ent­ei­sungs­mit­teln, usw.

Die Hö­he der Aus­gleichs­zah­lung va­ri­iert hin­sicht­lich der Län­ge der Flug­stre­cke von 250,00 € bis 600,00 € pro Per­son.

Durch mitt­ler­wei­le herr­schen­de Recht­spre­chung wur­de zwi­schen­zeit­lich auch die EG-Verordnung aus­ge­wei­tet von rei­nen Flug­an­nul­lie­run­gen auf Flug­ver­spä­tun­gen, so­weit die Ver­spä­tung min­des­tens drei Stun­den be­trägt. Er­reicht da­mit der ge­buch­te Flug den Ziel­ort mit ei­ner Ver­spä­tung von min­des­tens drei Stun­den, ste­hen dem Flug­gast eben­falls Aus­gleichs­an­sprü­che bis zu 600,00 € ge­gen das Flug­un­ter­neh­men zu.

Nach ei­ner jün­ge­ren Ent­schei­dung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs aus dem Jah­re 2013 er­hält der Flug­gast nun­mehr auch ei­ne Aus­gleichs­zah­lung, wenn er auf­grund ei­ner Ver­spä­tung des Erst­flu­ges den ur­sprüng­lich ge­buch­ten An­schluss­flug nicht er­wischt und da­her den letz­ten Ziel­ort der Flug­stre­cke mit ei­ner Ver­spä­tung von min­des­tens drei Stun­den er­reicht.

Die­se Rech­te wur­den nun durch die ganz ak­tu­el­le Recht­spre­chung des BGH vom 09.06.2015, Az. X ZR 59/14, noch­mal er­wei­tert. Der BGH hat­te hier­nach über ei­nen Fall zu ent­schei­den, ob ei­nem Flug­gast auch dann ei­ne Aus­gleichs­zah­lung zu­steht, wenn der Flug um meh­re­re Stun­den vor­ver­legt wird. Im vor­lie­gen­den Fall wur­de ein Flug um et­wa neun Stun­den vor­ver­scho­ben.

Der BGH hat auch in die­sem Fall dem Flug­gast ei­ne Ent­schä­di­gungs­zah­lung nach der EG-Verordnung 261/2004 zu­ge­spro­chen. Nach Auf­fas­sung des BGH liegt je­den­falls in ei­ner mehr als ge­ring­fü­gi­gen Vor­ver­le­gung ei­nes ge­plan­ten Flu­ges durch das Luft­fahrt­un­ter­neh­men ei­ne An­nul­lie­rung des Flu­ges, die ei­nen Aus­gleichs­an­spruch nach Ar­ti­kel 7 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung EG-Verordnung 261/2004 be­grün­den kann.

Da­ne­ben kön­nen auch noch An­sprü­che ge­gen­über dem Rei­se­un­ter­neh­men auf­grund ei­ner ver­kürz­ten Ur­laubs­zeit be­stehen. Ger­ne un­ter­stüt­zen wir Sie bei der Durch­set­zung Ih­rer Rech­te.

Ellen Sandfuchs

Ellen Sandfuchs

Fachanwältin für Erbrecht
Fachanwältin für Verkehrsrecht
Telefon: 0981/972123-97
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