Die Re­form des el­ter­li­chen Sor­ge­rechts nicht mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ter El­tern

Im Fa­mi­li­en­recht sind bei Tren­nung, Ehe­schei­dung oder Be­en­di­gung der nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft Kon­flik­te zwi­schen den El­tern über die ge­mein­sa­me Aus­übung des Sor­ge­rechts für ge­mein­sa­me min­der­jäh­ri­ge Kin­der oft vor­pro­gram­miert. Im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB) fin­den si­ch auch zu die­ser Rechts­ma­te­rie Vor­schrif­ten, die je­doch so all­ge­mein ge­hal­ten sind, dass sie durch ei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Recht­spre­chung kon­kre­ti­siert wer­den muss­ten.

Die Ent­wick­lung, dass im­mer mehr un­ver­hei­ra­te­te Paa­re El­tern wer­den und auch nach der Ge­burt ei­nes ge­mein­sa­men Kin­des nicht mehr hei­ra­ten, hat der Ge­setz­ge­ber er­st spät er­kannt und dar­auf ver­zö­gert re­agiert.

Den Vä­tern nicht­ehe­li­cher Kin­der stand nach den bis­he­ri­gen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten nur dann das ge­mein­sa­me el­ter­li­che Sor­ge­recht zu, wenn bei­de El­tern­tei­le frei­wil­lig ei­ne Sor­ge­er­klä­rung ab­ge­ben oder die El­tern­tei­le ein­an­der hei­ra­ten. Dies führ­te in der Ver­gan­gen­heit da­zu, dass bei el­ter­li­chen Kon­flik­ten der Va­ter das ge­mein­sa­me Sor­ge­recht nicht er­hal­ten konn­te. In die­sen ver­al­te­ten Re­ge­lun­gen sah das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­nen Ver­stoß ge­gen das in Ar­ti­kel 6 Abs. 2 Grund­ge­setz (GG) fest­ge­hal­te­ne el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht und gab dem Ge­setz­ge­ber auf, die ein­schlä­gi­ge Vor­schrift (§ 1626 a BGB) neu zu fas­sen. Bis zur ge­setz­li­chen Neu­re­ge­lung mus­s­te die Vor­schrift mit der Maß­ga­be an­ge­wen­det wer­den, dass das Fa­mi­li­en­ge­richt den El­tern auf An­trag ei­nes El­tern­teils die el­ter­li­che Sor­ge ge­mein­sam über­trägt, so­weit zu er­war­ten ist, dass dies dem Kin­des­wohl ent­spricht.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts stell­te le­dig­li­ch ei­ne Über­gangs­lö­sung dar. Mit Ge­setz vom 16.04.2013, erst­mals mit Wir­kung vom 19.05.2013, kam der Ge­setz­ge­ber sei­nem Auf­trag nach und re­for­mier­te die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zum Sor­ge­recht im BGB zu Guns­ten der Vä­ter nicht­ehe­li­cher Kin­der. Den Fa­mi­li­en­ge­rich­ten ist nun­mehr die Mög­lich­keit er­öff­net, den Vä­tern nicht­ehe­li­cher Kin­der das Sor­ge­recht zur ge­mein­sa­men Aus­übung mit der Mut­ter zu über­tra­gen, wenn die Über­tra­gung dem Kin­des­wohl nicht wi­der­spricht. So­fern die Mut­ter kei­ne Grün­de nennt, die der Ein­rich­tung des ge­mein­sa­men el­ter­li­chen Sor­ge­rechts ent­ge­gen­ste­hen könn­ten wird – so­fern sol­che Grün­de auch son­st nicht er­sicht­li­ch sind –ver­mu­tet, dass die ge­mein­sa­me el­ter­li­che Sor­ge dem Kin­des­wohl nicht wi­der­spricht. Dies ist für den El­tern­teil, der das ge­mein­sa­me Sor­ge­recht be­an­tragt hat, ei­ne er­heb­li­che Er­leich­te­rung in der Pro­zess­füh­rung. Bei­spiels­wei­se muss der Va­ter nicht mehr vor­tra­gen und be­wei­sen, dass er er­zie­hungs­ge­eig­net und zu­ver­läs­sig ist, um das Sor­ge­recht aus­zu­üben, viel­mehr legt es in die­sem Fal­le bei der Mut­ter, Grün­de zu nen­nen, war­um dem nicht so ist.

Hat das Ge­richt Zwei­fel dar­an, dass die Ein­rich­tung des ge­mein­sa­men Sor­ge­rechts dem Kin­des­wohl nicht wi­der­spricht, so bleibt es den Be­tei­lig­ten meis­tens nicht er­spart, ein Gut­ach­ten hier­über ein­zu­ho­len. Auch die ört­li­ch zu­stän­di­gen Ju­gend­äm­ter sind in die Ent­schei­dungs­fin­dung ein­zu­be­zie­hen. Das be­trof­fe­ne Kind ist grund­sätz­li­ch bei der­ar­ti­gen Ver­fah­ren per­sön­li­ch an­zu­hö­ren. Meis­tens füh­ren die Fa­mi­li­en­ge­rich­te die An­hö­rung des Kin­des in Ab­we­sen­heit der El­tern, ggf. in An­we­sen­heit ei­nes ge­richt­li­ch be­stell­ten Ver­fah­rens­bei­stan­des und ggf. des Ju­gend­am­tes, durch.

Zwar be­steht bei Sor­ge­rechts­ver­fah­ren kein An­walts­zwang, je­doch ist es auf­grund der weit­rei­chen­den Fol­gen und Be­deu­tung der The­ma­tik meist sinn­voll und er­for­der­li­ch, si­ch fach­kun­di­ger Un­ter­stüt­zung zu be­die­nen.