Face­book & Ar­beits­recht

Si­cher kann man Ver­ständ­nis für ei­nen Zeit­ge­nos­sen auf­brin­gen, der sich ein­mal über ei­nen Kol­le­gen, den Vor­ge­setz­ten oder sei­nen Chef är­gert. Wer al­ler­dings die­sem Är­ger in so­zia­len Netz­wer­ken, wie Face­book oder Twit­ter öf­fent­lich­keits­wirk­sam Luft ver­schaf­fen will, soll­te ge­warnt sein, dass auch das World Wi­de Web kein rechts­frei­er Raum ist und man auf die­se Wei­se schnell sei­nen Job ris­kie­ren kann.

In letz­ter Zeit hat­ten sich die Ar­beits­ge­rich­te ver­mehrt mit Kün­di­gun­gen zu be­fas­sen, de­nen be­lei­di­gen­de Ein­trä­ge in so­zia­len Netz­wer­ken vor­aus­ge­gan­gen wa­ren. Bei im­mer mehr Ge­richts­ent­schei­dun­gen wird deut­lich, dass der Ar­beit­ge­ber sol­che Pflicht­ver­let­zun­gen nicht hin­zu­neh­men braucht. Die Treue- und Loya­li­täts­pflich­ten aus dem Ar­beits­ver­trag ver­pflich­ten näm­lich je­den Mit­ar­bei­ter, den Ruf sei­nes Ar­beit­ge­bers in der Öf­fent­lich­keit nicht durch eh­ren­rüh­ri­ge Äu­ße­run­gen her­ab­zu­set­zen.

Dies gilt auch und erst recht bei der Nut­zung von so­zia­len Netz­wer­ken. Hier sind die Ge­fah­ren so­gar be­son­ders groß, die vom ge­schrie­be­nen Wort aus­ge­hen kön­nen. In­for­ma­tio­nen im In­ter­net ste­hen zu­meist ei­nem grö­ße­ren Adres­sa­ten­kreis zur Ver­fü­gung, kön­nen un­be­grenzt re­pro­du­ziert wer­den und sind im Zwei­fel auch nicht mehr lösch­bar: „Das In­ter­net ver­gisst nicht.“

Je­der User soll­te da­her ge­nau ab­wä­gen, wel­che An­ga­ben er in sei­nem Pro­fil ver­öf­fent­licht se­hen möch­te. Wer un­be­dacht be­lei­di­gen­de Äu­ße­run­gen zu sei­nem Ar­beit­ge­ber oder Kol­le­gen ein­stellt, muss mit ei­ner Kün­di­gung sei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses rech­nen.

Je nach der Schwe­re sol­cher Ein­trä­ge kann so­gar ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung ge­recht­fer­tigt sein. Für State­ments un­ter der Ru­brik Ar­beit­ge­ber wie „Men­schen­schin­der“, „Aus­beu­ter“ oder „Däm­li­che Sch… für den Min­dest­lohn“ kann sich der Ar­beit­neh­mer nicht mehr auf sein Recht zur frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung be­ru­fen. Schmäh­kri­tik oder For­mal­be­lei­di­gun­gen sind von die­sem Grund­recht nicht er­fasst.

Da­bei stel­len die Ge­rich­te zwar dar­auf ab, ob es sich um ei­ne ge­schlos­se­ne Grup­pe han­del­te oder um ein of­fe­nes Pro­fil, auf das je­der, zu­min­dest je­der An­wen­der die­ses so­zia­len Netz­wer­kes, hät­te zu­grei­fen kön­nen. Doch wer bei­spiels­wei­se in sei­ner „ge­schlos­se­nen Grup­pe“ von 70 Freun­den 36 Be­triebs­an­ge­hö­ri­ge führt, kann nicht da­von aus­ge­hen, dass sei­ne Ein­trä­ge als blo­ße pri­va­te Äu­ße­rung ein­ge­stuft wer­den.

Selbst wenn der Na­me des Ar­beit­ge­bers oder Vor­ge­setz­ten nicht aus­drück­lich ge­nannt wird, kann es mit Hil­fe der all­ge­mein be­kann­ten Such­ma­schi­ne­rie oh­ne Wei­te­res mög­lich sein, den Na­men im In­ter­net zu re­cher­chie­ren und die Per­son so bloß­zu­stel­len. Das da­mit ver­bun­de­ne Scha­dens­po­ten­zi­al aus­ge­hend von ei­ner Ruf­schä­di­gung des Ar­beit­ge­bers kann er­heb­lich sein und im Rah­men der recht­li­chen Be­wer­tung ent­spre­chend stark ge­wich­tet wer­den, bis hin zur Recht­fer­ti­gung ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung.

Wer sich noch in der Aus­bil­dung be­fin­det, muss zwar nicht gleich bei der ers­ten Ent­glei­sung die Kün­di­gung sei­nes Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­ses fürch­ten, da an ihn noch nicht die glei­chen Maß­stä­be wie an er­wach­se­ne Ar­beit­neh­mer an­ge­legt wer­den dür­fen, doch ei­ne Ab­mah­nung wird von den Ge­rich­ten durch­aus als zu­läs­sig an­ge­se­hen.

Die­ser Kon­se­quen­zen soll­te man sich im­mer be­wusst sein und bei Är­ger im Job – an­statt über­has­tet Ein­trä­ge in so­zia­len Netz­wer­ken zu pos­ten – lie­ber das per­sön­li­che Ge­spräch vor­zie­hen.