Heiz­öl aus dem In­ter­net

Trotz der „brü­ten­den Hit­ze“, die je­den­falls An­fang Au­gust herrsch­te, be­hal­ten vie­le Haus­ei­gen­tü­mer ei­nen küh­len Kopf und den­ken dar­an, be­reits jetzt im Som­mer Heiz­öl für den kom­men­den Win­ter ein­zu­kau­fen. Vie­le Ver­brau­cher sind mit Rück­sicht auf die nicht un­er­heb­li­chen Preis­schwan­kun­gen da­zu über­ge­gan­gen, ent­spre­chen­de An­ge­bo­te im In­ter­net zu ver­glei­chen und dort Heiz­öl ein­zu­kau­fen.

Zwei­fel­haft war in der Ver­gan­gen­heit, ob der Ver­brau­cher, wenn er über das In­ter­net Heiz­öl ein­kauft, sei­ne Wil­lens­er­klä­rung zum Ab­schluss des Ver­tra­ges in­ner­halb der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Frist wi­der­ru­fen kann. Dies kann dann für den Ver­brau­cher wirt­schaft­lich vor­teil­haft sein, wenn er nach Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges in­ner­halb der Wi­der­rufs­frist von ei­nem güns­ti­ge­ren Kauf­preis Kennt­nis er­langt.

Die Fra­ge, ob man als Ver­brau­cher auch von ei­nem Fern­ab­satz­ver­trag über Heiz­öl zu­rück­tre­ten kann ist nun in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung vom Bun­des­ge­richts­hof ge­klärt wor­den (Ur­teil vom 17.06.2015, Az.: VIII Z R 249/14).

Der Ent­schei­dung lag ein Sach­ver­halt zu­grun­de, bei der ei­ne Ver­brau­che­rin im Fe­bru­ar 2013 auf ei­ner Home­page der spä­te­ren Klä­ge­rin 1.200 Li­ter Heiz­öl zu ei­nem Preis von 1.063,72 € be­stell­te. Die Be­stel­lung wur­de noch am sel­ben Tag von der Ver­käu­fe­rin be­stä­tigt. Die Ver­käu­fe­rin ver­wen­de­te All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen, in de­nen ge­re­gelt war, dass bei Heiz­öl­be­stel­lun­gen kein all­ge­mei­nes 14-​tägiges Wi­der­rufs­recht für pri­va­te Ver­brau­cher gilt. Ei­ne Stor­nie­rung der Be­stel­lung soll­te zwar mög­lich sein, al­ler­dings soll­te der Ver­brau­cher für die­sen Fall ei­ne Ent­schä­di­gung von 15 % des Wa­ren­wer­tes, min­des­tens je­doch 95,00 €, zzgl. der ge­setz­li­chen Mehr­wert­steu­er an den Ver­käu­fer zah­len. Die Klä­ge­rin ver­wies zu­dem auf die ge­setz­li­che Re­ge­lung, die sich auf­grund ei­ner Ge­set­zes­re­form nun in § 312g Abs. 1 Nr. 8 BGB fin­det, wo­nach ein Wi­der­rufs­recht bei Ver­trä­gen zur Lie­fe­rung von Wa­ren oder zur Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen, ein­schließ­lich Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, de­ren Preis von Schwan­kun­gen auf dem Fi­nanz­markt ab­hängt, auf die der Un­ter­neh­mer kei­nen Ein­fluss hat und die in­ner­halb der Wi­der­rufs­frist auf­tre­ten kön­nen, das Wi­der­rufs­recht be­reits nach dem Ge­setz aus­ge­schlos­sen ist.

Nach­dem die Käu­fe­rin nun die Lie­fe­rung des Heiz­öls ab­lehn­te, ver­lang­te die Ver­käu­fe­rin ent­spre­chend ih­rer All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen und un­ter Hin­weis auf die ge­setz­li­che Vor­schrift ei­nen Be­trag in Hö­he von 113,05 € (95,00 € zzgl. ge­setz­li­cher Mehr­wert­steu­er) als Scha­dens­er­satz. Dar­auf­hin wi­der­rief die Ver­brau­che­rin den Kauf­ver­trag mit an­walt­li­chem Schrei­ben und ver­wei­ger­te die Zah­lung.

Der Bun­des­ge­richts­hof gab der Ver­brau­che­rin nun Recht und stell­te in der vor­zi­tier­ten Ent­schei­dung klar, dass bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen über die Lie­fe­rung von Heiz­öl das Wi­der­rufs­recht des Ver­brau­chers nicht aus­ge­schlos­sen ist. Die oben ge­nann­te Aus­nah­me­vor­schrift, die zum Aus­schluss des Wi­der­rufs­rechts füh­ren wür­de, be­zie­he sich al­lein auf Ge­schäf­te, de­ren spe­ku­la­ti­ver Cha­rak­ter den Kern des je­wei­li­gen Ge­schäfts aus­ma­che. Ei­nen sol­chen spe­ku­la­ti­ven Kern wei­se der An­kauf von Heiz­öl durch den Ver­brau­cher je­doch nicht auf, denn der Heiz­öl­käu­fer will nach dem Kauf des Heiz­öls kei­ne Wei­ter­ver­äu­ße­rung durch­füh­ren, um ei­nen fi­nan­zi­el­len Ge­winn zu er­zie­len. Sei­ne Kauf­ab­sicht liegt le­dig­lich in der Ei­gen­ver­sor­gung mit Heiz­öl. Aus die­sem Grund ste­he dem Ver­brau­cher auch in die­sen Fäl­len ein Wi­der­rufs­recht zu.