Ist ei­ne Selbst­an­zei­ge für mi­ch rat­sam?

Auf die­se all­ge­mei­ne Fra­ge kann zu­nächst nur mit ei­ner eben­so all­ge­mei­nen Ant­wort er­wi­dert wer­den: „Das kommt dar­auf an.“

In der steu­er­straf­recht­li­chen Be­ra­tung kommt die­ses The­ma vor al­lem dann auf, wenn die Pres­se ein wei­te­res Mal über den An­kauf sog. „Steuer-​CDs“ be­rich­tet. In­dem dem Bür­ger die Mög­lich­keit der Ab­ga­be ei­ner sog. straf­be­frei­en­den Selbst­an­zei­ge ein­räumt wird, möch­te si­ch un­ser Fis­kus Geld­res­sour­cen er­schlie­ßen, die si­ch ihm son­st nicht of­fen­bart hät­ten. Dem Steu­er­pflich­ti­gen kann sie Be­stra­fung er­spa­ren und ihm Si­cher­heit vor Straf­ver­fol­gung ge­ben.

Die Ab­ga­be ei­ner Selbst­an­zei­ge will gut über­legt sein. Sie bie­tet nicht nur Chan­cen, son­dern birgt auch Ri­si­ken. Um si­ch ei­ne so­li­de Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu schaf­fen, ist – wie im­mer im Wirtschafts- und Steu­er­straf­recht – ei­ne früh­zei­ti­ge fach­kun­di­ge Be­ra­tung un­er­läss­li­ch. Nur so kann rich­tig agiert, statt nur re­agiert wer­den. Ein frü­hes Han­deln ist schon des­halb not­wen­dig, da ei­ne Selbst­an­zei­ge nur dann straf­be­frei­end wirkt, wenn die Tat no­ch nicht ent­deckt ist. Au­ßer­dem ist ei­ne Viel­zahl von recht­li­chen und tat­säch­li­chen As­pek­ten zu be­ach­ten.

Zu­nächst muss ab­ge­klärt wer­den, ob und in wel­cher Hö­he über­haupt Steu­ern ver­kürzt wor­den sind. Hier­zu wird Ihr Be­ra­ter zu­nächst die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen ein­ho­len, et­wa die für die re­le­van­ten Zeit­räu­me er­stell­ten sog. „Er­träg­nis­auf­stel­lun­gen“ von aus­län­di­schen An­la­ge­insti­tu­ten an­for­dern. Die­se sind dann aus­zu­wer­ten.

Oft­mals stellt si­ch da­bei her­aus, dass nur ge­rin­ge Be­trä­ge nach­zu­zah­len sind, et­wa weil den Di­vi­den­den­zah­lun­gen und den Ge­win­nen aus Ak­ti­en­ver­käu­fen er­heb­li­che Kontoführungs- und De­pot­ge­büh­ren so­wie sons­ti­ge Wer­bungs­kos­ten ge­gen­über­ste­hen. Die­se Prü­fung kos­tet Zeit.

Eben­so muss vor der Ab­ga­be ei­ner Selbst­an­zei­ge ge­klärt und da­für ge­sorgt wer­den, dass ge­nü­gend Geld zur Ver­fü­gung steht – oder ver­füg­bar ge­macht wird –, um die nach­zu­entrich­ten­den Steu­ern zu zah­len. Die Straf­frei­heit setzt näm­li­ch wei­ter vor­aus, dass die Steu­er­schul­den bin­nen ei­ner vom Fi­nanz­amt ge­setz­ten Frist voll­stän­dig nach­ge­zahlt wer­den.

Dann sind die rich­ti­gen und voll­stän­di­gen An­ga­ben ge­gen­über der Fi­nanz­ver­wal­tung nach­zu­ho­len. Ins­be­son­de­re dür­fen hier kei­ne Feh­ler pas­sie­ren, da nur die voll­stän­di­ge „Rück­kehr zur Steu­er­ehr­lich­keit“ mit Straf­frei­heit be­lohnt wird. Ei­ne Teil­selbst­an­zei­ge hilft nach neu­e­rer höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nicht (mehr).

All das zeigt, dass mit­tels der Selbst­an­zei­ge ei­ner dro­hen­den Be­stra­fung ent­gan­gen wer­den kann. Die Selbst­an­zei­ge muss je­doch mit größ­ter Sorg­falt und vor al­lem recht­zei­tig vor­be­rei­tet und ab­ge­ge­ben wer­den. Ein halb­her­zi­ges Vor­ge­hen scha­det si­cher­li­ch mehr als es nützt.

Dr. Christian Horvat

Dr. Chris­ti­an Hor­vat

Fach­an­walt für Straf­recht
Fach­an­walt für Steu­er­recht
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Dr. Christian Horvat

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