Kei­me im Kran­ken­haus – wer haf­tet für die Fol­gen?

Im­mer wie­der liest man über so­ge­nann­te Kran­ken­haus­kei­me, mit de­nen sich Pa­ti­en­ten, meist nach ei­ner Ope­ra­ti­on im Kran­ken­haus, an­ge­steckt ha­ben. Für ge­sun­de Men­schen sind die Kei­me grund­sätz­lich nicht ge­fähr­lich – nur kommt man sel­ten ge­sund in ein Kran­ken­haus. Wenn ein sol­cher MRSA- Keim (Methicillin-resistenter Sta­phy­lo­coc­cus au­re­us) in die Wun­de ei­nes frisch ope­rier­ten Pa­ti­en­ten ge­langt, kann dies gra­vie­ren­de Fol­gen ha­ben.

Da die Kei­me im­mun ge­gen die Standard- An­ti­bio­ti­ka sind, be­darf es meist ei­ner lang­wie­ri­gen, sta­tio­nä­ren Be­hand­lung. Bei schwe­ren Ver­läu­fen der Er­kran­kung kön­nen Lie­ge­zei­ten von meh­re­ren Mo­na­ten an­fal­len, in de­nen die Pa­ti­en­ten weit­ge­hend iso­liert sind. Die In­fek­ti­on kann so­gar töd­lich ver­lau­fen.

Schon lan­ge be­schäf­ti­gen der­ar­ti­ge Fäl­le auch die Jus­tiz. Zu­letzt am 16.08.2016 ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof (Az. BGH: VI ZR 634/15) über die An­sprü­che ei­nes Pa­ti­en­ten, der nach der Ope­ra­ti­on sei­nes „Ten­nis­arms“ in Kon­takt mit den mul­ti­re­sis­ten­ten Kei­men kam und da­her zwei wei­te­re Ope­ra­tio­nen über sich er­ge­hen las­sen muss­te. Da die Mus­ku­la­tur im Arm dau­er­haft durch die Kei­me ge­schä­digt wur­de, lei­det er auch heu­te noch un­ter Schmer­zen.

Der Pa­ti­ent kann im Fal­le ei­ner In­fek­ti­on Schmer­zens­geld und Scha­dens­er­satz vom Kran­ken­haus ver­lan­gen. Ei­ne Haf­tung des Kran­ken­hau­ses kommt dann in Be­tracht, wenn die ge­bo­te­ne hy­gie­ni­sche Sorg­falt nicht ein­ge­hal­ten wor­den ist. Die In­fek­ti­on muss da­her aus ei­nem „voll be­herrsch­ba­ren Be­reich“ des Kran­ken­hau­ses stam­men, zum Bei­spiel ei­nem un­zu­rei­chend des­in­fi­zier­ten Ope­ra­ti­ons­saal. Glei­ches gilt für die ver­meid­ba­re Keim­über­tra­gung durch an der Be­hand­lung be­tei­lig­ten Per­so­nen, bei­spiels­wei­se dem Arzt oder der Kran­ken­schwes­ter.

Wenn fest­steht, dass die In­fek­ti­on aus ei­nem sol­chen Be­reich stammt, muss das Kran­ken­haus für die Schä­den auf­kom­men, so­fern es sich nicht ent­las­ten kann. Für ei­ne sol­che Ent­las­tung müss­te be­wie­sen wer­den, dass al­le or­ga­ni­sa­to­ri­schen und tech­ni­schen Vor­keh­run­gen ge­gen die ver­meid­ba­re Keim­über­tra­gung ge­trof­fen wor­den sind.

Die „Emp­feh­lun­gen der Kom­mis­si­on für Kran­ken­haus­hy­gie­ne und In­fek­ti­ons­prä­ven­ti­on“ des Robert-Koch-Instituts gel­ten hin­sicht­lich der Hy­gie­ne als Richt­li­ni­en. Wenn und so­weit ein Kran­ken­haus die­se Richt­li­ni­en nicht ein­hält, ist auch ei­ne Ent­las­tung kaum mög­lich. Das Kran­ken­haus schul­det dem Pa­ti­en­ten im Fal­le ei­ner Haf­tung ein an­ge­mes­se­nes Schmer­zens­geld und den Er­satz even­tu­el­ler fi­nan­zi­el­ler Schä­den. Hier kann schnell ei­ne fünf­stel­li­ge Sum­me zu­sam­men kom­men. Wer im Ein­zel­fall haf­tet, muss je nach Fall be­ur­teilt wer­den.

Wenn Sie durch ei­ne Keimin­fek­ti­on ge­schä­digt wur­den, ist für die Gel­tend­ma­chung von An­sprü­chen an­walt­li­cher Rat zu emp­feh­len.