Küns­ter­so­zi­al­ab­ga­ben und der GmbH-​Geschäftsführer

Aus­gangs­si­tua­ti­on

Je­des Un­ter­neh­men kann von der Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be be­trof­fen sein, wenn es Wer­bung, Gra­fi­ken oder an­de­re Maß­nah­men der Öf­fent­lich­keits­ar­beit bei ex­ter­nen Dienst­leis­tern in Auf­trag gibt. Denn ein Teil der Bei­trä­ge für die ge­setz­li­che Renten-, Kranken-, und Pfle­ge­ver­si­che­rung der selbst­stän­di­gen Künst­ler und Pu­bli­zis­ten wird durch die Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be (KSA) als Um­la­ge bei den Un­ter­neh­men auf­ge­bracht, wel­che ge­gen Ent­gelt ge­stal­te­ri­sche Leis­tun­gen in An­spruch neh­men.

Die Zu­stän­dig­keit für die Prü­fung der Ab­ga­ben­pflicht liegt bei den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­gern. Jähr­lich wer­den um die 400.000 Prü­fun­gen durch­ge­führt. Teils wer­den Un­ter­neh­men schrift­lich teils vor Ort ge­prüft. Durch das zum 01.01.2015 in Kraft ge­tre­te­ne Ge­setz zur Sta­bi­li­sie­rung des Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be­sat­zes sol­len nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers Prü­fun­gen ef­fi­zi­en­ter durch­ge­führt und Ein­nah­men er­höht wer­den.

Nor­mal­fall

Er­teilt nun ein Un­ter­neh­men ei­nen Auf­trag bei­spiel­haft an ei­ne Werbeagentur-​GmbH für die Er­stel­lung der Öf­fent­lich­keits­ar­beit, un­ter­liegt das be­auf­tra­gen­de Un­ter­neh­men nicht der Ab­ga­be­pflicht für die Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be. Denn die Ab­ga­be­pflicht knüpft dar­an an, ob ein künst­le­ri­scher und pu­bli­zis­ti­scher Auf­trag an ei­ne na­tür­li­che Per­son ver­ge­ben wird. Nur ei­ne na­tür­li­che Per­son ist schüt­zens­wert im Sin­ne des So­zi­al­rech­tes und be­nö­tigt ei­ne Renten-, Kranken-, und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Ein Auf­trag an ei­ne Werbeagentur-​GmbH ist kein Auf­trag an ei­nen Künst­ler.

Im Ge­gen­zug ist aber grund­sätz­lich die Werbeagentur-​GmbH ver­pflich­tet, für das Ge­halt ih­res Ge­schäfts­füh­rers die Küns­ter­so­zi­al­ab­ga­be ab­zu­füh­ren. Un­er­heb­lich ist, dass die Ein­künf­te des Ge­schäfts­füh­rers steu­er­recht­lich als Ein­künf­te aus nicht­selbst­stän­di­ger Ar­beit ge­wer­tet wer­den. Im Ver­hält­nis zu der GmbH ist der ei­ge­ne Ge­schäfts­füh­rer grund­sätz­lich ein „selbst­stän­di­ger“ Künst­ler, wenn er über­wie­gend künst­le­risch oder pu­bli­zis­tisch tä­tig wird, al­so die Auf­trä­ge ab­ar­bei­tet, die der GmbH er­teilt wer­den.

Ist der Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Werbeagentur-​GmbH aber nicht über­wie­gend künst­le­risch oder pu­bli­zis­tisch tä­tig, son­dern kauf­män­nisch, wird sein Ge­halt zu­nächst nicht der Be­mes­sung der Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be un­ter­wor­fen. Er ist kein Küns­ter, son­dern Kauf­mann. Bei ei­ner Prü­fung durch die Ren­ten­ver­si­che­run­gen ist ei­ne Ab­ga­be­pflicht für das Ge­halt des Ge­schäfts­füh­rers zu ver­nei­nen. So­weit der Nor­mal­fall in der bis­he­ri­gen Prü­fungs­pra­xis.

Än­de­rung der Prü­fungs­pra­xis

Mit Be­schluss vom 15.01.2009, Az.: B 3 KS 5/08 B, hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt je­doch ent­schie­den, dass von ei­ner GmbH für ei­nen Ge­schäfts­füh­rer auch dann die Küns­ter­so­zi­al­ab­ga­be ab­zu­füh­ren ist, wenn er zwar nicht ei­gen­hän­dig künst­le­risch oder pu­bli­zis­tisch tä­tig wird, er sich aber An­ge­stell­ter zur Ab­ar­bei­tung der Auf­trä­ge be­dient. Für die Künst­ler­ei­gen­schaft des GmbH-​Geschäftsführers sei es aus­rei­chend, wenn er die Ge­samt­ver­ant­wor­tung für die Er­stel­lung der ge­stal­te­ri­schen Wer­ke trägt.

Nun wird ei­nem GmbH-​Geschäftsführer nicht die Ge­samt­ver­ant­wor­tung für die Ar­beit in der GmbH ab­ge­spro­chen wer­den kön­nen. Dies hat für die Prü­fungs­pra­xis die Än­de­rung zu Fol­ge, dass sich ein Ge­schäfts­füh­rer schlecht auf den Stand­punkt zu­rück­zie­hen kann, er sei nur Kauf­mann, die Künst­ler sei­en die An­de­ren.

Ver­bun­den mit dem zum 01.01.2015 in Kraft ge­tre­te­nen Ge­setz zur Sta­bi­li­sie­rung des Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be­sat­zes, wel­ches die Prü­fungs­dich­te er­hö­hen soll, hat der Be­schluss des Bun­des­so­zi­al­ge­rich­tes zur Fol­ge, dass in Zu­kunft weit mehr als bis­her Geschäftsführer-​Gehälter der Be­mes­sung für die Küns­ter­so­zi­al­ab­ga­be un­ter­wor­fen wer­den. Nur wenn der Ver­ant­wor­tungs­be­reich ei­nes Ge­schäfts­füh­rers strikt auf das Kauf­män­ni­sche be­schränkt bleibt, wird kei­ne Ab­ga­ben­pflicht vor­lie­gen.