Kür­zes­te Ver­bin­dung bei Pen­der­pau­scha­le maß­geb­li­ch

Wenn dem Deut­schen das Au­to das liebste Kind ist, so ist die Entfernungs- (Pendler-) pau­scha­le das liebste Kind im Steu­er­recht. Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG kön­nen Auf­wen­dun­gen des Ar­beit­neh­mers für We­ge zwi­schen Woh­nung und Ar­beits­stät­te als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Ar­beit ab­ge­zo­gen wer­den.

Der Klä­ger in dem Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof, Ur­teil vom 24.9.2013, VI R 20/13, fuhr je­den Tag mit dem Mo­ped zur Ar­beit. Die kür­zes­te Stra­ßen­ver­bin­dung von 9 km führ­te durch ei­nen maut­pflich­ti­gen Tun­nel. Des­sen Stre­cke ist ei­ne Kraft­fahr­stra­ße, und darf da­her nur von Fahr­zeu­gen mit Höchst­ge­schwin­dig­keit von mehr als 60 km/​h be­fah­ren wer­den. Das Mo­ped er­reich­te die­se Ge­schwin­dig­keit nicht. Da­her fuhr der Klä­ger je­den Tag ei­nen Um­weg von 27 km zu sei­ner Ar­beits­stät­te. Strei­tig war nun, ob Auf­wen­dun­gen für 9 km oder 27 km als Wer­bungs­kos­ten ab­zu­zie­hen sind.

Nach dem Bun­des­fi­nanz­hof ist auf die kür­zes­te Stra­ßen­ver­bin­dung von 9 km ab­zu­stel­len. Un­be­acht­li­ch sei, dass das Mo­ped die Stre­cke man­gels Höchst­ge­schwin­dig­keit nicht be­fah­ren darf. Die kür­zes­te Stra­ßen­ver­bin­dung sei un­ab­hän­gig vom tat­säch­li­ch be­nutz­ten Ver­kehrs­mit­tel für al­le Fahr­zeu­ge ein­heit­li­ch zu be­stim­men. Hät­te der Ge­setz­ge­ber ge­wollt, dass für die Be­stim­mung der Ent­fer­nung die­je­ni­ge Stra­ßen­ver­bin­dung zwi­schen Woh­nung und Ar­beits­stät­te maß­ge­bend ist, die nach dem vom Ar­beit­neh­mer ge­wähl­ten Ver­kehrs­mit­tel die kür­zes­te ist, hät­te er dies so ins Ge­setz auf­ge­nom­men. Wei­ter sei die Ent­fer­nungs­pau­scha­le eben ei­ne Pau­scha­le, die­se gel­te un­ab­hän­gig von den tat­säch­li­ch ent­stan­de­nen Kos­ten wie et­wa ei­ner Maut. An­sons­ten kön­ne die Hö­he der Pau­scha­le mit­tel­bar durch die Wahl ge­büh­ren­frei­er län­ge­rer Stra­ßen­ver­bin­dun­gen be­ein­flusst wer­den.

Dem Ur­teil des Bun­des­fi­nanz­hofs ist zu­zu­stim­men. Pau­scha­le ist Pau­scha­le. Im Ge­gen­zug er­hält zum Bei­spiel der Rad­fah­rer die fik­ti­ven Auf­wen­dun­gen für die Stra­ßen­ver­bin­dung zu sei­ner Ar­beit, auch wenn die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen für ei­nen kür­ze­ren Rad­weg ge­rin­ger sind. Es herrscht der Ver­ein­fa­chungs­ge­dan­ke. Wür­de die maß­geb­li­che Ver­bin­dung von dem im Ein­zel­nen vom Steu­er­pflich­ti­gen be­nutz­ten Ver­kehrs­mit­tel ab­hän­gig ge­macht wer­den, wä­ren die Fi­nanz­be­hör­den in ih­ren Er­mitt­lun­gen über­las­tet. Es ist ge­ra­de der Sinn ei­ner Pau­scha­le, dass Ein­zel­in­ter­es­sen zu­guns­ten der Ef­fek­ti­vi­tät der Ver­wal­tung zu­rück­ste­hen.