Mann am Herd

In dem Fall vor dem Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 10. Mai 2011, Az : VI ZR 196/10, nahm der Feu­er­ver­si­che­rer des Haus­ei­gen­tü­mers den Woh­nungs­mie­ter we­gen ei­nes von die­sem ver­ur­sach­ten Brand­scha­dens in Re­gress, § 86 VVG.

Fol­gen­der Sach­ver­halt lag zu Grun­de:

„Der Be­klag­te be­wohn­te ei­ne Dach­ge­schoss­woh­nung, in die er am 3. Fe­bru­ar 2007 ge­gen 4:00 Uhr zu­rück­kehr­te. Er woll­te sich auf dem Kü­chen­herd in ei­nem Koch­topf mit Frit­tier­ein­satz Kar­tof­fel­röll­chen zu be­rei­ten und er­hitz­te da­zu Fett. Als die­ses ge­schmol­zen und warm war, gab er die tief­ge­fro­re­nen Kar­tof­fel­röll­chen hin­ein. So­dann ver­ließ er die Kü­che und be­gab sich ins Wohn­zim­mer. Wäh­rend er dort war, er­hitz­te sich das im Topf be­find­li­che Fett so stark, dass es sich ent­zün­de­te. Der Brand er­griff die Kü­chen­zei­le und den De­cken­be­reich. Von dort brei­te­te sich das Feu­er auf den Dach­stuhl aus und er­fass­te schließ­lich das ge­sam­te Haus.“

Der Feu­er­ver­si­che­rer hielt die Brand­ver­ur­sa­chung für grob fahr­läs­sig. Der Brand­scha­den muss­te in Hö­he von 145.689,77 € von der Ver­si­che­rung re­gu­liert wer­den. Für die­se Sum­me soll­te der Woh­nungs­mie­ter im We­ge des Re­gres­ses haf­ten.

Ein Re­gress­an­spruch des Ver­si­che­rers be­steht grund­sätz­lich nur, wenn der Scha­den vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führt wur­de. Bei ein­fa­cher Fahr­läs­sig­keit schei­det ein Re­gress bei Feu­er­ver­si­che­run­gen aus (stän­di­ge Recht­spre­chung). Gro­be Fahr­läs­sig­keit ist ge­ge­ben, wenn ein ob­jek­tiv schwe­rer und sub­jek­tiv nicht ent­schuld­ba­rer Ver­stoß ge­gen die An­for­de­run­gen der im Ver­kehr er­for­der­li­chen Sorg­falt vor­liegt. Es sind al­so stets die sub­jek­ti­ven, die per­sön­li­chen Mög­lich­kei­ten des Be­klag­ten zu prü­fen. Konn­te er we­gen per­sön­li­cher Ein­schrän­kun­gen nicht die er­for­der­li­che Sorg­falt an den Tag le­gen, liegt je­den­falls kei­ne gro­be Fahr­läs­sig­keit vor.

Das Land­ge­richt Os­na­brück, Ur­teil vom 30.06.2010, Az: 1 S 446/09, hat­te hier zu­guns­ten des da­mals 33-​jährigen männ­li­chen Be­klag­ten be­rück­sich­tigt, dass er erst seit re­la­tiv kur­zer Zeit ei­ge­ne Er­fa­run­gen mit der Zu­be­rei­tung von Es­sen ge­sam­melt hat­te und da­her gro­be Fahr­läs­sig­keit ver­neint. Das Land­ge­richt ur­teil­te, dass da­her kein Re­gress­an­spruch be­stehe. Der Feu­er­ver­si­che­rer ak­zep­tier­te das land­ge­richt­li­che Ur­teil nicht und rief den Bun­des­ge­richts­hof an.

Die­ser ent­schied aber: „Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on (des Feu­er­ver­si­che­rers, Anm. d. Verf.) lässt die Be­rück­sich­ti­gung der Un­er­fah­ren­heit des Be­klag­ten in­fol­ge des spä­ten Be­ginns sei­ner ei­ge­nen Haus­halts­füh­rung (…) kei­nen Ver­fah­rens­feh­ler er­ken­nen.“

Ein Re­gress­an­spruch wur­de al­so ver­neint. Jung­ge­sel­len kön­nen auf­at­men.