Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, Vor­sor­ge­voll­macht und Be­treu­ungs­ver­fü­gung

Die Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ist ein tra­di­tio­nel­les In­stru­ment, um den Pa­ti­en­ten­wil­len für den Fall der Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit zu ar­ti­ku­lie­ren. Im Sep­tem­ber 2009 ist das Ge­setz zur Än­de­rung des Be­treu­ungs­rechts, das so ge­nann­te Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz, in Kraft ge­tre­ten. Durch die­ses Ge­setz ist die bis­lang hier­zu er­gan­ge­ne höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen so­wie die kor­re­spon­die­ren­den Grund­sät­ze der Bun­des­ärz­te­kam­mer im We­sent­li­chen be­stä­tigt wor­den.

Das Ge­setz trägt jetzt da­zu bei, das Ge­fühl der Rechts­si­cher­heit vie­ler Men­schen, die an der Ent­ste­hung und Um­set­zung von Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen be­tei­ligt sind, zu stär­ken. Hin­ter­grund ist der Um­stand, dass die mo­der­ne In­ten­siv­me­di­zin es mög­lich macht, den Zeit­punkt des To­des zu va­ri­ie­ren und sich mit der Ent­fal­tung der mo­der­nen Me­di­zin seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, die De­fi­ni­ti­on des „To­des“ und der Um­gang mit dem Ster­be­pro­zess gra­vie­rend ver­än­dert hat.

Mit der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung hat der Ver­fü­gen­de die Mög­lich­keit, schrift­lich den Wil­len zu ar­ti­ku­lie­ren für den Fall ei­ner et­wai­gen zu­künf­ti­gen Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit und kann da­mit zum Aus­druck zu brin­gen, ob er ganz be­stimm­te me­di­zi­ni­sche Ein­grif­fe in den Kör­per le­gi­ti­miert oder ab­lehnt. Es han­delt sich letzt­lich um ei­ne Wil­lens­be­zeu­gung für ei­ne zu­künf­ti­ge Le­bens­si­tua­ti­on, wes­halb es sich emp­fiehlt, kon­kret ei­ne de­tail­lier­te Be­schrei­bung der ein­zel­nen Le­bens­si­tua­tio­nen zu for­mu­lie­ren und prä­zi­se An­ga­ben zum per­sön­li­chen Wil­len be­züg­lich der me­di­zi­nisch er­wünsch­ten oder ab­ge­lehn­ten Ein­grif­fe dar­zu­stel­len.

Hin­ter­grund ist die Tat­sa­che, dass nur die Zu­stim­mung und die Ein­wil­li­gung des Pa­ti­en­ten Ein­grif­fe in den Kör­per und sei­ne Frei­heit recht­fer­tigt. Er­teilt der Pa­ti­ent die Zu­stim­mung nicht oder nimmt er sie wie­der zu­rück, so darf kei­ne Heil­be­hand­lung an ihm vor­ge­nom­men wer­den. Mit ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung kann ein Pa­ti­ent sei­ne Be­hand­lungs­wün­sche für den Fall der Fäl­le, näm­lich ei­ner an­ge­zeig­ten Heil­be­hand­lung an­ge­sichts der Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit, in die rich­ti­ge Rich­tung brin­gen. Bei dem Ge­spräch über die dann an­ste­hen­de Heil­be­hand­lung be­darf der Pa­ti­ent ei­ner Per­son, die für ihn spricht und sei­nen Wil­len um­setzt. Dies kann ein so ge­nann­ter Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ter oder ein ge­setz­li­cher Be­treu­er sein.

Es emp­fiehlt sich des­halb für den Fall, dass durch ein Amts­ge­richt / Be­treu­ungs­ge­richt ein Be­treu­er förm­lich be­stellt wer­den soll, im Rah­men ei­ner Be­treu­ungs­ver­fü­gung dem Ge­richt ei­ne Mit­tei­lung da­hin­ge­hend zu ge­ben, wer als Be­treu­ungs­per­son be­stimmt wer­den kann und soll. Es ist auch die Mög­lich­keit er­öff­net, im Rah­men der Be­treu­ungs­ver­fü­gung dem Ge­richt ei­ne Mit­tei­lung da­hin­ge­hend zu ge­ben, wer ge­ra­de nicht zum Be­treu­er be­stellt wer­den soll. Der Be­treu­er hat dann die Auf­ga­be, die Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung um­zu­set­zen. Glei­ches gilt für ei­nen Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten.

Sei­ne Auf­ga­be ist es, den Pa­ti­en­ten­wil­len nach Maß­ga­be des In­halts der Vor­sor­ge­voll­macht fest­zu­stel­len, gel­tend zu ma­chen und durch­zu­set­zen. Der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­te hat sich durch Vor­la­ge der Ori­gi­nal­ur­kun­de oder der no­ta­ri­ell be­ur­kun­den­den Voll­macht zu le­gi­ti­mie­ren. Ko­pi­en und Ab­schrif­ten sind un­brauch­bar.

In je­dem Fal­le emp­fiehlt es sich, die Er­rich­tung ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, ei­ner Vor­sor­ge­voll­macht und ei­ner Be­treu­ungs­ver­fü­gung sorg­fäl­tig zu be­den­ken. Von der In­an­spruch­nah­me vor­ge­fer­tig­ter Vor­dru­cke ist Ab­stand zu neh­men. Ein Be­den­ken der ei­ge­nen Wün­sche und Vor­stel­lun­gen über den ei­ge­nen Tod ist drin­gend an­zu­ra­ten und ent­spre­chend jetzt durch den vom Ge­setz­ge­ber ge­schaf­fe­nen Vor­ga­ben um­zu­set­zen.

Ulrike Alt

Ul­ri­ke Alt

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Ulrike Alt