Schnee­flo­cken im Som­mer

Die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung be­stimmt, dass die Teil­nah­me am Stra­ßen­ver­kehr stän­di­ge Vor­sicht und ge­gen­sei­ti­ge Rück­sicht er­for­dert. Wer am Ver­kehr teil­nimmt hat sich so zu ver­hal­ten, dass kein An­de­rer ge­schä­digt, ge­fähr­det, be­hin­dert oder be­läs­tigt wird.

Die­se Grund­re­geln wer­den über­wie­gend durch Ver­kehrs­schil­der be­stimmt.

Was ist ein Ver­kehrs­schild? Ein Ver­kehrs­zei­chen ist zu­nächst ei­ne be­hörd­li­che Ent­schei­dung. Die zu­stän­di­ge Be­hör­de trifft ver­kehrs­re­geln­de An­ord­nun­gen, dort, wo dies auf Grund der be­son­de­ren Um­stän­de zwin­gend ge­bo­ten ist, § 39 Abs. 1 StVO. Die Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den kön­nen in­so­weit die Be­nut­zung be­stimm­ter Stra­ßen oder Stra­ßen­stre­cken aus Grün­den der Si­cher­heit oder Ord­nung des Ver­kehrs auch be­schrän­ken oder ver­bie­ten. Al­ler­dings sind Ver­kehrs­zei­chen nur dort an­zu­ord­nen, wo dies auf Grund der be­son­de­ren Um­stän­de zwin­gend ge­bo­ten ist.

Die­se ho­heit­li­chen Maß­nah­men — in der Form von All­ge­mein­ver­fü­gun­gen — wer­den in dem Zeit­punkt wirk­sam, in dem sie be­kannt ge­ge­ben, al­so auf­ge­stellt wer­den.

Und was hat das nun mit Schnee­flo­cken zu tun?

Das Schild „Schnee­flo­cke“ ist grund­sätz­lich ein Zu­satz­schild zu ei­ner Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung. Wie all­ge­mein be­kannt, kann ein Ver­kehrs­schild ein Sym­bol, ei­nen Schrift­zug oder ei­ne Li­nie ent­hal­ten, das den Stra­ßen­ver­kehr ord­net und re­gelt. Die meis­ten Ver­kehrs­schil­der sind in­so­weit aus sich her­aus ver­ständ­lich. Ver­kehrs­zei­chen sind au­ßer­dem so auf­zu­stel­len oder an­zu­brin­gen, dass sie ein durch­schnitt­li­cher Kraft­fah­rer bei Ein­hal­tung der nach der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung er­for­der­li­chen Sorg­falt schon mit ei­nem ra­schen und bei­läu­fi­gen Blick er­fas­sen kann.

Ver­kehrs­schil­der ent­fal­ten ih­re Rechts­wir­kung ge­gen­über je­dem Ver­kehrs­teil­neh­mer, der von der Re­ge­lung be­trof­fen ist. Al­ler­dings kann ei­ne Ver­kehrs­re­ge­lung dann nach Auf­fas­sung der Recht­spre­chung un­be­ach­tet blei­ben, wenn die zu­grun­de­lie­gen­de All­ge­mein­ver­fü­gung, an ei­nem be­son­ders schwer­wie­gen­den Feh­ler lei­det.

Wie ist al­so das Schild „Schnee­flo­cke“ im Som­mer zu ver­ste­hen? Gilt die er­las­se­ne Ver­fü­gung auch, wenn es heiß ist?

Die Recht­spre­chung muss­te sich be­reits mehr­fach mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, ob die Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung dann nur bei Schnee oder auch im Som­mer gilt. Die Ge­rich­te sind der Auf­fas­sung, dass die „Schnee­flo­cke“ le­dig­lich ei­nen Hin­weis zur In­for­ma­ti­on der Ver­kehrs­teil­neh­mer über das Mo­tiv der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de dar­stellt, aus wel­chem Grund die Ge­schwin­dig­keits­be­schrän­kung an­ge­ord­net wur­de. Da­mit soll die Ak­zep­tanz ei­nes Ver­kehrs­zei­chens er­höht wer­den.

Die Schnee­flo­cke ist so­mit le­dig­lich als Er­klä­rung zu ver­ste­hen. Die Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung ist die ei­gent­li­che Re­ge­lung. Die­se ist im­mer zu be­ach­ten. Auch bei som­mer­li­chen Ver­hält­nis­sen und tro­cke­ner Fahr­bahn ist da­mit die re­du­zier­te Ge­schwin­dig­keit ein­zu­hal­ten und ei­ne hö­he­re als an­ge­ord­ne­te Ge­schwin­dig­keit nicht zu­läs­sig.

Schnee­flo­cken sind al­so auch im Som­mer zu be­ach­ten.

An­ders ist dies üb­ri­gens bei dem Schild „bei Näs­se“. Die­ses Zu­satz­schild ent­hält aus­drück­lich ei­ne zeit­li­che Ein­schrän­kung. Die Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung gilt nur, wenn die Fahr­bahn tat­säch­lich nass ist. Bei dem Schild „bei Näs­se“ ist ei­ne Be­schrän­kung der Ge­schwin­dig­keit al­so nicht im­mer ge­ge­ben.

Dr. Sylvia Meyerhuber

Dr. Syl­via Mey­er­hu­ber

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