Schwei­gen ist Gold

Straf­recht kann je­den tref­fen – zu­min­dest sei­ne klei­ne Schwes­ter, das Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht. Die Re­geln sind im De­tail ver­schie­den. Es be­stehen aber ge­nü­gend Ge­mein­sam­kei­ten, um in die­sem Bei­trag auf bei­de Rechts­be­rei­che gleich­sam ein­zu­ge­hen.

Als Be­schul­dig­ter (im Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht heißt er „Be­trof­fe­ner“) be­kommt man in der Re­gel Post oder so­gar Be­such von der Po­li­zei. Und be­reits hier zeigt sich, dass ein Sprich­wort wahr ist: „Re­den ist Sil­ber, Schwei­gen ist Gold.“ Im schöns­ten Ju­ris­ten­la­tein liest sich das so: ne­mo ten­e­tur se ip­sum ac­cusa­re.

Wenn der Be­schul­dig­te An­ga­ben zur Sa­che macht, wer­den sie ge­gen ihn ver­wen­det. Pro­ble­ma­tisch ist dies, weil der ju­ris­ti­sche Laie nicht weiß, was hilf­reich ist und was trotz der Hoff­nung auf Bes­se­rung der Si­tua­ti­on ge­nau zum Ge­gen­teil führt. Da­her heißt die ein­fa­che Re­gel, die Be­schul­dig­te be­ach­ten soll­ten: Nur Schwei­gen ist Gold. Ob spä­ter An­ga­ben ge­macht wer­den sol­len, kann in der Re­gel nur ein ju­ris­tisch ge­schul­ter Hel­fer ent­schei­den. Die­sen Rat be­kommt der Be­schul­dig­te bei ei­nem Straf­ver­tei­di­ger, al­so ei­nem An­walt, der sich der Straf- oder Buß­geld­sa­che im In­ter­es­se des Be­schul­dig­ten an­nimmt.

Vie­le glau­ben noch im­mer, sie müss­ten bei der Po­li­zei aus­sa­gen. Das stimmt so nicht. Nur dann, wenn der Staats­an­walt (oder ein Ge­richt) schreibt und Zeu­gen vor­lädt, muss dem Fol­ge ge­leis­tet wer­den. Ei­ne po­li­zei­li­che Ver­neh­mung muss man nicht wahr­neh­men – al­ler­dings ist es ein Ge­bot der Höf­lich­keit, ei­nen Ter­min vor­her ge­ge­be­nen­falls ab­zu­sa­gen. Das Glei­che gilt im Üb­ri­gen für An­hö­rungs­bö­gen, die von der Po­li­zei oder bei­spiels­wei­se der zen­tra­len Buß­geld­stel­le ver­sandt wer­den.

Zeu­gen ha­ben zwar die Pflicht aus­zu­sa­gen, aber eben nur vor dem Staats­an­walt oder ei­nem Ge­richt. Und auch dort müs­sen sie nur zur Sa­che aus­sa­gen, wenn sie sich nicht selbst oder ei­nen na­hen An­ge­hö­ri­gen be­las­ten. Kon­kret be­deu­tet das, dass nie­mand ge­gen sei­ne Frau, sei­ne Kin­der oder auch sei­ne Ver­lob­te aus­sa­gen muss. Was man den Be­hör­den– al­so auch der Po­li­zei– im­mer mit­tei­len muss, sind per­sön­li­che Da­ten, das heißt Na­me, An­schrift, usw. Das meis­te da­von steht auf dem Per­so­nal­aus­weis.

Wie ver­hält man sich al­so am bes­ten bei ei­ner Be­geg­nung mit der Po­li­zei, bei der ein Ver­dacht ge­äu­ßert wird? Man bleibt höf­lich und freund­lich, gibt die per­sön­li­chen Da­ten an und sagt zur Sa­che – nichts. Dies funk­tio­niert dann mit noch grö­ße­rem Nach­druck, wenn man dar­auf ver­weist, dass man sich zu­nächst an­walt­li­chen Rat ein­ho­len möch­te.

Auf die­sen Rat und Bei­stand hat je­der Mensch zu je­der Zeit ein Recht. Und auf die­ses Recht soll­ten Sie nicht ver­zich­ten.

Dr. Wolfgang Staudinger
Dr. Wolfgang Staudinger

Letz­te Ar­ti­kel von Dr. Wolf­gang Stau­din­ger (Al­le an­zei­gen)