Se­nio­ren­rech­te? — Se­nio­ren­rech­te!

Es ist in al­ler Mun­de: Die Ge­sell­schaft über­al­tert. Dies stellt uns vor neue so­zio­lo­gi­sche und recht­li­che Her­aus­for­de­run­gen. Vie­le Kom­mu­nen er­ar­bei­ten mitt­ler­wei­le se­nio­ren­po­li­ti­sche Kon­zep­te.

Wel­che Rech­te ha­ben Se­nio­ren? Es gibt sie tat­säch­lich, die Se­nio­ren­rech­te.

Dies be­ginnt bei der Fra­ge des El­tern­un­ter­halts und er­streckt sich auf al­le die­je­ni­gen Fäl­le, in de­nen äl­te­re Men­schen auf Fremd­be­treu­ung, Pfle­ge, Un­ter­brin­gung in ge­eig­ne­ten Ein­rich­tun­gen etc. an­ge­wie­sen sind. Die In­an­spruch­nah­me sol­cher Leis­tun­gen er­for­dert mo­nat­li­chen ho­hen fi­nan­zi­el­len Auf­wand. Hier­zu ste­hen äl­te­ren Men­schen, so­fern sie El­tern sind, durch­aus Un­ter­halts­an­sprü­che ge­gen ih­re voll­jäh­ri­gen Kin­der zur Sei­te.

Aber Se­nio­ren ha­ben auch An­spruch auf so­zia­le Hil­fen im Sin­ne des 12. So­zi­al­ge­setz­bu­ches (SGB XII.). So­weit nach die­sem Ge­setz­buch Ein­künf­te und Er­trä­ge aus Ver­mö­gen nicht aus­rei­chen, den Le­bens­un­ter­halt zu be­strei­ten, be­steht grund­sätz­lich ein An­spruch auf So­zi­al­hil­fe­leis­tung. Die So­zi­al­hil­fe ist durch die En­de 2003 ver­ab­schie­de­ten so ge­nann­ten Hartz IV-Gesetze neu ge­ord­net wor­den und er­fasst auch An­sprü­che zur Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt oder zur Grund­si­che­rung im Al­ter.

Aber auch bei Fi­nan­zie­rung der Pfle­ge ha­ben Se­nio­ren Rech­te. Nach der ak­tu­el­len Pfle­ge­sta­tis­tik wa­ren im Jahr 2013 rund 2,6 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land pfle­ge­be­dürf­tig. Da­bei ver­zeich­net die Pfle­ge zu­hau­se ins­ge­samt ei­ne Zu­nah­me. Die ge­setz­li­che Ent­wick­lung brach­te seit 1996 ei­nen tie­fen Ein­schnitt in die sta­tio­nä­re pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gungs­struk­tur in Deutsch­land. Es ste­hen den pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen, ins­be­son­de­re den Se­nio­ren, ent­spre­chen­de An­sprü­che aus dem 5. So­zi­al­ge­setz­buch, dem 11. So­zi­al­ge­setz­buch zur Sei­te. Die­se Leis­tun­gen um­fas­sen ei­ne spe­zia­li­sier­te am­bu­lan­te Pal­lia­tiv­ver­sor­gung, eben­so wie am­bu­lan­te (auf­su­chen­de) Re­ha­bi­li­ta­ti­on und wei­te­re Leis­tun­gen.

Vor­sor­ge­voll­macht, Be­treu­ungs­ver­fü­gung sind eben­so wie Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung recht­li­che In­stru­men­te, die nicht nur aus­schließ­lich Se­nio­ren in­ter­es­sie­ren soll­ten, die­se aber be­son­ders. Se­nio­ren sind auch be­trof­fen von den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen die den Über­gang vom Er­werbs­le­ben in den Ru­he­stand re­geln. Eben­so wie von den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zum Schwer­be­hin­der­ten­recht.

Für Se­nio­ren be­son­ders in­ter­es­sant ist die Fra­ge von Ver­mö­gens­über­tra­gung vor Ein­tritt ei­ner Pfle­ge­be­dürf­tig­keit und vor Wech­sel in ei­ne sta­tio­nä­re Un­ter­brin­gung in ei­nem Heim. Für Se­nio­ren recht­lich höchst in­ter­es­san­te Fra­gen sind bei­spiels­wei­se die­je­ni­ge der Über­ga­be ei­ner Im­mo­bi­lie im We­ge der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­gen, ge­ne­rell Al­ter­na­ti­ven zur Im­mo­bi­li­en­über­tra­gung oder auch die Fra­ge, wie sich der Be­zug von Hartz IV-Leistung beim über­neh­men­den Kind aus­wirkt.

Kurz und gut: Es gibt sie, die Se­nio­ren­rech­te. Ei­ne Nach­fra­ge lohnt sich.

Ulrike Alt

Ulrike Alt

Rechtsanwältin und Partnerin bei meyerhuber rechtsanwälte partnerschaft mbb
Fachanwältin für Familienrecht
Fachanwältin für Sozialrecht
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