Ver­schie­be­bahn­hof ambulante/​vorstationäre Be­hand­lung

Die Recht­spre­chung aus dem Be­reich des Kran­ken­haus­rech­tes hat im­mer wie­der Aus­wir­kun­gen, auch auf den ein­zel­nen Pa­ti­en­ten. Al­so wun­dern Sie si­ch da­her nicht, wenn Sie künf­tig ein Kran­ken­haus­arzt auf Ein­wei­sung Ih­res nie­der­ge­las­se­nen Arz­tes nicht be­han­deln möch­te, son­dern Sie wie­der zu­rück­schickt.

Dies liegt dann an ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­rich­tes vom 17.09.2013.

Grund­sätz­li­ch gilt, dass ei­ne vor­sta­tio­nä­re Un­ter­su­chung im Kran­ken­haus, die da­zu dient, ab­zu­klä­ren, ob ei­ne sta­tio­nä­re Be­hand­lungs­not­wen­dig­keit be­steht, mit Mit­teln des Kran­ken­hau­ses nur er­fol­gen darf, wenn dies er­for­der­li­ch ist. Das be­deu­tet, dass der nie­der­ge­las­se­ne Arzt zu­nächst die ge­sam­te not­wen­di­ge ver­trags­ärzt­li­che Dia­gnos­tik selbst aus­schöp­fen muss, be­vor er den Pa­ti­en­ten zu ei­ner vor­sta­tio­nä­ren oder sta­tio­nä­ren Be­hand­lung in das Kran­ken­haus ein­wei­sen kann.

Es gibt Be­hand­lungs­maß­nah­men, die der nie­der­ge­las­se­ne Arzt nicht ger­ne vor­nimmt, weil die Ver­gü­tung hier­für ge­ring ist und der Auf­wand re­la­tiv hoch. Das be­deu­tet, dass sol­che Un­ter­su­chungs­maß­nah­men ger­ne in den Be­reich des Kran­ken­hau­ses ver­scho­ben wer­den, in­dem ei­ne ent­spre­chen­de Ein­wei­sung er­folgt. Kran­ken­haus­sei­tig be­steht aber auf Grund der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nun das Pro­blem, dass die­se Be­hand­lungs­maß­nah­men dem Kran­ken­haus durch die Kran­ken­kas­sen nicht mehr ver­gü­tet wer­den, wenn es si­ch um ei­ne vor­sta­tio­nä­re Ab­klä­rungs­un­ter­su­chung han­delt, die nicht mit den Mit­teln des Kran­ken­hau­ses durch­zu­füh­ren ist, son­dern durch­aus vom Ver­trags­arzt mit den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Dia­gnos­tik­mög­lich­kei­ten er­bracht wer­den kann. Für das Kran­ken­haus stellt si­ch dies da­her als Ver­lust­ge­schäft dar, weil hoch­wer­ti­ge Leis­tung nicht ab­ge­rech­net wer­den kann.

Aus die­sem Grund wer­den die Kran­ken­häu­ser nicht an­ders kön­nen, als der Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richt fol­gen und künf­tig Pa­ti­en­ten auf die Mög­lich­keit der Dia­gnos­tik und Be­hand­lung durch den Ver­trags­arzt hin­zu­wei­sen. Dies ist dann nicht als man­geln­de Hilfs­be­reit­schaft oder Un­freund­lich­keit zu wer­ten, son­dern ent­spricht den Vor­ga­ben, die das Bun­des­so­zi­al­ge­richt auf­stellt. Die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te sind da­her ver­pflich­tet auch un­at­trak­ti­ve Maß­nah­men wie bei­spiels­wei­se Ka­the­der­wech­sel etc. selbst durch­zu­füh­ren.

Ist al­ler­dings für den Kran­ken­haus­arzt nicht er­kenn­bar, dass die ver­trags­ärzt­li­che Dia­gnos­tik aus­ge­reicht hät­te, kann selbst­ver­ständ­li­ch die not­wen­di­ge Maß­nah­me ge­trof­fen wer­den, um fest­zu­stel­len, ob der Pa­ti­ent ei­ne sta­tio­nä­re Be­hand­lung be­nö­tigt oder nicht. Soll­te dies be­jaht wer­den, wird ent­we­der so­fort ei­ne Auf­nah­me er­fol­gen oder aber ein Auf­nah­me­ter­min ver­ein­bart wer­den. An­dern­falls wird der Pa­ti­ent in die am­bu­lan­te Wei­ter­be­hand­lung ver­wie­sen.

Christine Krieg

Chris­ti­ne Krieg

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Christine Krieg