Wenn der Rechts­an­walt er­mit­telt… freut sich der Staats­an­walt

Spä­tes­tens seit dem Siemens-Skandal hört man in Deutsch­land ver­mehrt von den sog. „In­ter­nal In­ves­ti­ga­ti­ons“. Die­ser all­zu neu­deut­sche Be­griff meint Er­mitt­lun­gen, die von ei­nem Un­ter­neh­men selbst oder et­wa durch An­wäl­te durch­ge­führt wer­den, da der Ver­dacht von Rechts­ver­stö­ßen aus der Un­ter­neh­mens­sphä­re be­steht. Es ver­steht sich von selbst, dass die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ein gro­ßes In­ter­es­se an der Er­lan­gung et­wai­ger Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se ha­ben. Ob und wie sie sie aber er­hal­ten kön­nen, ist nicht nur für den Ju­ris­ten span­nend, son­dern für den Be­trof­fe­nen un­ter Um­stän­den von exis­ten­zi­el­ler Be­deu­tung.

Ge­mein­hin geht man da­von aus, dass das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Rechts­an­walt und Man­dant ge­schützt ist. Im­mer­hin ist der An­walt zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet und macht sich so­gar straf­bar, wenn er In­for­ma­tio­nen un­be­fugt preis­gibt. Es ist da­her et­wa ver­bo­ten, Ver­tei­di­gungs­kor­re­spon­denz zu be­schlag­nah­men. Seit 01.02.2011 gibt es nun ei­ne Vor­schrift in der Straf­pro­zess­ord­nung, die die Un­ter­schei­dung zwi­schen Ver­tei­di­gern und an­de­ren Rechts­an­wäl­ten – al­so sol­chen, die im kon­kre­ten Man­dat et­wa „nur“ steuer- oder zi­vil­recht­lich tä­tig sind – ei­gent­lich auf­he­ben soll­te. Von ei­nem En­de der Zwei-Klassen-Gesellschaft war in die­sem Zu­sam­men­hang viel­fach die Re­de und da­von, dass die Gren­zen zwi­schen Verteidigungs- und sons­ti­gem Man­dant oft flie­ßend sei­en und man die­sem Um­stand Rech­nung tra­gen müs­se.

Um­so er­staun­li­cher ist ein Be­schluss des Land­ge­richts Mann­heim, in dem die­ses mit ei­ner Viel­zahl all­ge­mei­ner Er­wä­gun­gen zu der Auf­fas­sung ge­langt ist, dass Un­ter­la­gen nur dann vor Be­schlag­nah­me ge­schützt sei­en, wenn sie sich im Ge­wahr­sam des Rechts­an­walts be­fin­den. Au­ßer­dem dür­fen sie – auch da­für fin­det sich im Ge­setz kein An­halts­punkt – nicht ziel­ge­rich­tet mit grund­sätz­lich der Be­schlag­nah­me un­ter­fal­len­den Be­weis­mit­teln ver­mischt wor­den sein.

Stel­len wir uns da­her ei­nen Un­ter­neh­mer vor, der sei­nen Rechts­an­walt da­mit be­auf­tragt hat, Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten in sei­nem Be­trieb auf­zu­klä­ren, sei es, weil er ei­nen Mit­ar­bei­ter ver­däch­tigt, sich bei sei­ner Ar­beit straf­bar ge­macht zu ha­ben, sei es, weil ein Kun­de be­haup­tet, bei der Ab­wick­lung ei­nes Auf­tra­ges be­tro­gen wor­den zu sein. Fer­tigt der Rechts­an­walt über sei­ne Tä­tig­keit dann ei­nen Be­richt und schickt die­sen sei­nem Man­dan­ten, läuft je­ner Ge­fahr, dass die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den auf die dar­in ent­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen zu­grei­fen kön­nen.

Das kann fa­ta­le Fol­gen ha­ben.

So kön­nen z.B. Ge­schäfts­ge­heim­nis­se an die Öf­fent­lich­keit und Kon­kur­renz­un­ter­neh­men zur Kennt­nis ge­lan­gen. Es kann aber auch der Un­ter­neh­mer selbst in die Müh­len der Straf­jus­tiz ge­ra­ten, et­wa weil ihm un­ter­stellt wird, er ha­be Kennt­nis von be­stimm­ten Miss­stän­den ge­habt. Dann hat er so­gar da­mit zu rech­nen, dass sei­ne Pri­vat­räu­me durch­sucht und per­sön­li­che Ge­gen­stän­de be­schlag­nahmt wer­den. Da­mit wä­ren wir auch wie­der beim flie­ßen­den Über­gang zum Ver­tei­di­gungs­man­dat.

Die dar­ge­stell­ten Ge­fah­ren sind deut­lich ge­rin­ger, wenn der Man­dant die Ar­beits­er­geb­nis­se sei­nes Be­ra­ters nur in des­sen Kanz­lei­räu­men ein­sieht. Al­ler­dings dürf­te die­se auf­ge­zwun­ge­ne Heim­lich­keit kaum im Sin­ne ih­rer Mann­hei­mer Er­fin­der sein und auch für den Rechts­an­walt wä­re es be­fremd­lich, sei­nen Man­dan­ten an­zu­hal­ten, nur im ge­schütz­ten Raum der An­walts­kanz­lei die in Auf­trag ge­ge­be­nen Ar­beits­er­geb­nis­se in Au­gen­schein zu neh­men.

Dr. Christian Horvat

Dr. Christian Horvat

Fachanwalt für Strafrecht
Fachanwalt für Steuerrecht
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E-Mail: horvat@meyerhuber.de
Dr. Christian Horvat

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