Wer legt mei­nen Ur­laub fest?

Für vie­le ist der Ur­laub die schöns­te Zeit im Jahr. Für man­che ist er auch ei­ner der wich­tigs­ten Be­stand­tei­le ih­res Ar­beits­le­bens. Über die zeit­li­che Fest­le­gung wird zu­wei­len viel dis­ku­tiert und oft auch ge­strit­ten, sei es beim Wett­lauf um Brü­cken­ta­ge oder beim „Run“ auf die Schul­fe­ri­en.

Der be­am­ten­mä­ßi­ge Sprach­ge­brauch, wo­nach man ei­nen „Ur­laubs­an­trag“ stellt, legt na­he, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen gro­ßen Ent­schei­dungs­spiel­raum hat. Der Ge­setz­ge­ber hat an­ders ent­schie­den. Aus­schlag­ge­bend sind grund­sätz­lich die Wün­sche des Ar­beit­neh­mers. Nur aus­nahms­wei­se und un­ter en­gen Vor­aus­set­zun­gen darf der Ar­beit­ge­ber den „An­trag“ ab­leh­nen, et­wa wenn drin­gen­de be­trieb­li­che Grün­de ent­ge­gen­ste­hen. Das ist zum Bei­spiel der Fall, wenn es ei­nen be­son­ders ho­hen Kran­ken­stand gibt oder meh­re­re an­de­re Ar­beit­neh­mer un­er­war­tet ge­kün­digt ha­ben.

Ein Spe­zi­al­fall hier­von ist die An­ord­nung von Be­triebs­fe­ri­en. Ein Arzt wird et­wa ar­gu­men­tie­ren, er kön­ne wäh­rend sei­ner Ab­we­sen­heit die Fach­an­ge­stell­ten nicht be­schäf­ti­gen. Im pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be mö­gen auf­grund Be­triebs­ur­laubs ei­nes Zu­lie­fe­rers die Bän­der still ste­hen. Für den Ar­beit­neh­mer be­deu­tet das Zwangs­ur­laub. Die­ser setzt eben­falls drin­gen­de be­trieb­li­che Grün­de vor­aus. Wenn es ei­nen Be­triebs­rat gibt, hat er dar­über so­gar mit­zu­be­stim­men.

Kei­nes­falls darf aber der ge­sam­te Jah­res­ur­laub mit Be­triebs­fe­ri­en ver­plant wer­den. Zu­min­dest ein maß­geb­li­cher Teil des ge­sam­ten An­spruchs – das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat z. B. ein­mal zwei Fünf­tel aus­rei­chen las­sen – muss dem Ar­beit­neh­mer zur frei­en Ver­fü­gung ver­blei­ben. Das so­ge­nann­te Be­triebs­ri­si­ko, al­so das Ri­si­ko, den Be­trieb nicht be­trei­ben zu kön­nen, trägt näm­lich der Ar­beit­ge­ber. Da­zu ge­hört auch die Ge­fahr der un­wirt­schaft­li­chen Be­zah­lung von Ar­beit­neh­mern. Die­ses Ri­si­ko darf nicht ein­sei­tig auf die Mit­ar­bei­ter über­ge­wälzt wer­den. Der Ar­beit­ge­ber muss grund­sätz­lich so dis­po­nie­ren, dass den Ur­laubs­wün­schen sei­ner An­ge­stell­ten ent­spro­chen wer­den kann.

Aus­nahms­wei­se kann auch dann dem Be­geh­ren ei­nes Mit­ar­bei­ters nicht ent­spro­chen wer­den, wenn an­de­ren Ar­beit­neh­mern aus so­zia­len Grün­den, et­wa weil sie schul­pflich­ti­ge Kin­der ha­ben und des­halb wäh­rend der Fe­ri­en­zeit Ur­laub neh­men möch­ten, der Vor­rang ge­bührt. Das be­deu­tet aber nicht, dass ein schul­pflich­ti­ges Kind ei­nen ur­laubs­mä­ßi­gen Frei­fahrt­schein dar­stellt.

Der Ar­beit­ge­ber muss im­mer ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung tref­fen und hier­bei ei­ne In­ter­es­sen­ab­wä­gung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Wün­sche des Ar­beit­neh­mers vor­neh­men.

Aber Vor­sicht: Auch wenn Sie ei­nen An­spruch auf den „be­an­trag­ten“ Ur­laub ha­ben, muss die­ser erst durch den Ar­beit­ge­ber ge­währt wer­den. Die­se Hand­lung, mit der der Ar­beit­ge­ber sei­ne ver­trag­li­che Pflicht er­füllt, nennt man Frei­stel­lungs­er­klä­rung. Der Ar­beit­neh­mer soll­te sich im Fal­le ei­ner rechts­wid­ri­gen Ver­wei­ge­rung des Ar­beit­ge­bers da­vor hü­ten, ein­fach der Ar­beit fern­zu­blei­ben. Ei­ne sol­che „Selbst­be­ur­lau­bung“ wä­re ei­ne Ver­trags­ver­let­zung und kann zur Kün­di­gung füh­ren.

Dr. Christian Horvat

Dr. Chris­ti­an Hor­vat

Fach­an­walt für Straf­recht
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Dr. Christian Horvat

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