Wer zahlt die Pfle­ge?

Das ist ei­ne Fra­ge, die je­den be­tref­fen kann. In Zei­ten zu­neh­men­der Al­ters­ar­mut ver­bun­den mit stei­gen­der Le­bens­er­war­tung durch ver­bes­ser­te me­di­zi­ni­sche Mög­lich­kei­ten und der Än­de­rung fa­mi­liä­rer Struk­tu­ren kom­men auf vie­le stei­gen­de Kos­ten durch Pfle­ge­be­dürf­tig­keit und Heim­un­ter­brin­gung zu, für die die ge­rin­gen Ren­ten oft nicht aus­rei­chen. Dann stellt sich die Fra­ge, wer für die­se Kos­ten auf­zu­kom­men hat.

Ist der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge reich ge­nug?

Vor­ran­gig hat je­der für sei­ne Kos­ten selbst auf­zu­kom­men. Ein­zu­set­zen ist das Ein­kom­men. Dies wird meis­tens die Ren­te sein. Hin­zu kom­men die Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Ei­ge­nes Ver­mö­gen des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ist selbst­ver­ständ­lich ein­zu­set­zen. Ihm darf le­dig­lich ein Not­gro­schen ver­blei­ben. Al­le dar­über hin­aus­ge­hen­den Ver­mö­gens­wer­te, al­so Bank­kon­ten, Ak­ti­en­an­la­gen und auch Im­mo­bi­li­en­ver­mö­gen, die nicht selbst be­wohnt sind, kön­nen grund­sätz­lich ver­wer­tet wer­den.

Reich ge­nug ge­we­sen?

Hat der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge zwar frü­her über Ver­mö­gen ver­fügt, die­ses je­doch durch Schen­kun­gen, bei­spiels­wei­se an die Kin­der, über­tra­gen, er­folgt even­tu­ell ein Rück­griff auf die­se un­ent­gelt­li­chen Zu­wen­dun­gen. Der Be­schenk­te kann die Her­aus­ga­be durch Zah­lung des für den Un­ter­halt er­for­der­li­chen Be­trags ab­wen­den.

Der An­spruch auf Her­aus­ga­be des Ge­schenks ist aus­ge­schlos­sen, wenn zur Zeit des Ein­tritts der Be­dürf­tig­keit seit der Schen­kung zehn Jah­re ver­stri­chen sind, oder wenn der Schen­ker sei­ne Be­dürf­tig­keit vor­sätz­lich oder durch gro­be Fahr­läs­sig­keit her­bei­ge­führt hat, oder wenn der ei­ge­ne Un­ter­halt des Be­schenk­ten oder des­sen Un­ter­halts­pflich­ten be­ein­träch­tigt wür­den.

An­de­re Geld­quel­len

Be­vor staat­li­che Leis­tun­gen in An­spruch ge­nom­men wer­den kön­nen, ist der Be­trof­fe­ne ver­pflich­tet sämt­li­che an­de­ren Mög­lich­kei­ten zur De­ckung sei­nes Be­darfs aus­zu­schöp­fen. Häu­fig sind in Über­ga­be­ver­trä­gen be­tref­fend Wohn­im­mo­bi­li­en oder Hof­stel­len ver­trag­li­che An­sprü­che ge­gen den Über­neh­mer ge­re­gelt, z. B. Wohn­recht, Wart und Pfle­ge­leis­tun­gen, freie Ver­kös­ti­gung, Kos­ten­über­nah­me für Arzt­be­hand­lun­gen und Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te, Grab­pfle­ge­ver­pflich­tun­gen, evtl. Ren­ten­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen oder Ver­pflich­tun­gen zur Zah­lung ei­nes Ta­schen­gel­des.

Es kommt im Ein­zel­fall auf die ver­trag­li­che Aus­ge­stal­tung an, in wel­chem Um­fang der Über­neh­mer in An­spruch ge­nom­men wer­den kann.

Un­ter­halts­an­sprü­che

Un­ter­halts­an­sprü­che ge­hen der So­zi­al­hil­fe vor. Da die Heim­kos­ten ge­deckt wer­den müs­sen, läuft es in der Pra­xis häu­fig so, dass So­zi­al­hil­fe in An­spruch ge­nom­men wird. Die Un­ter­halts­an­sprü­che wer­den auf den Be­zirk über­ge­lei­tet, der dann al­ler­dings die Un­ter­halts­an­sprü­che des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ge­gen sei­nen Ehe­gat­ten bzw. sei­ne Kin­der prüft und ge­ge­be­nen­falls ge­gen die­se durch­setzt. Die Vor­aus­set­zun­gen der In­an­spruch­nah­me we­gen El­tern­un­ter­halts ist ein um­fang­rei­ches ei­ge­nes The­ma, zu dem Sie an die­ser Stel­le in ei­ner der nächs­ten Aus­ga­ben des Wo­chen­an­zei­gers le­sen kön­nen.

Wenn al­le Stri­cke rei­ßen: So­zi­al­hil­fe

Wenn kei­ne aus­rei­chen­den ei­ge­nen Mit­tel vor­han­den sind und auch kei­ne Un­ter­halts­an­sprü­che rea­li­sier­bar sind wer­den die für die Pfle­ge not­wen­di­gen Kos­ten durch die So­zi­al­hil­fe ge­deckt. Hier­für er­for­der­lich ist es, recht­zei­tig den An­trag auf So­zi­al­hil­fe zu stel­len. Kei­nem Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wird aus Kos­ten­grün­den die er­for­der­li­che Pfle­ge ver­sagt.

Bettina Durst

Bettina Durst

Fachanwältin für Familienrecht
Telefon: 09831/6766-51
E-Mail: durst@meyerhuber.de
Bettina Durst

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