Wie teu­er darf die sta­tio­nä­re Be­hand­lung sein?

Ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te ge­nie­ßen nach dem Prin­zip der Sach­leis­tung den Vor­zug, dass ih­nen im Rah­men ei­ner sta­tio­nä­ren Kran­ken­haus­be­hand­lung kei­ne Rech­nung ge­stellt wird. Der Pa­ti­ent wird für ge­wöhn­lich im Kran­ken­haus auf­ge­nom­men, dort mehr oder we­ni­ger zu sei­ner Zu­frie­den­heit be­han­delt und wie­der nach Hau­se ent­las­sen. Da­bei ist zu hof­fen, dass der Auf­ent­halt an­ge­nehm ist, die Be­hand­lung sach­ge­recht und das Be­hand­lungs­ziel er­reicht wer­den kann.

Oft weiß der Pa­ti­ent nicht, dass da­nach die Pro­ble­ma­tik erst be­ginnt. Die Kran­ken­häu­ser, die sich in der Re­gel im Rah­men der sta­tio­nä­ren Be­hand­lung sehr be­mü­hen, den Pa­ti­en­ten so gut wie mög­lich zu be­han­deln, rech­nen den ge­sam­ten Kran­ken­haus­auf­ent­halt ge­gen­über der Kran­ken­kas­se ab. Da­bei er­folgt die Ab­rech­nung nach dem ge­setz­lich ge­re­gel­ten Ver­gü­tungs­sys­tem, wo­nach dia­gno­sen­ori­en­tiert be­stimm­te Fall­pau­scha­len in ei­nem nicht un­kom­pli­zier­ten Ver­fah­ren an­ge­setzt wer­den. Da die Kran­ken­kas­sen wie­der­um ge­setz­lich ver­pflich­tet sind, nach dem Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot Ab­rech­nun­gen zu über­prü­fen, wenn sich Auf­fäl­lig­kei­ten fest­stel­len las­sen, be­steht die Nei­gung, Ab­rech­nun­gen grund­sätz­lich zu hin­ter­fra­gen. Dies er­folgt, in­dem die Kran­ken­kas­se den Be­hand­lungs­vor­gang dem Me­di­zi­ni­schen Dienst für ei­ne Be­gut­ach­tung über­gibt.

Als Er­geb­nis die­ser Be­gut­ach­tung er­gibt sich häu­fig, dass die Ver­weil­dau­er im Kran­ken­haus in Fra­ge ge­stellt wird. Dies hat zur Kon­se­quenz, dass die Be­hand­lungs­kos­ten­rech­nung der Kran­ken­häu­ser häu­fig um ein Vier­tel oder ein Drit­tel ge­kürzt wird, weil da­von aus­ge­gan­gen wird, der Pa­ti­ent hät­te ein oder zwei Ta­ge frü­her ent­las­sen wer­den kön­nen. Dies ist in der Re­gel we­der aus Sicht der be­han­deln­den Ärz­te noch aus Sicht des Pa­ti­en­ten nach­voll­zieh­bar und mün­det in ei­nen aka­de­mi­schen Streit um die Fra­ge, wie lan­ge ist es ge­recht­fer­tigt, den Pa­ti­en­ten sta­tio­när zu be­han­deln.

Nicht sel­ten wird die Fra­ge, ob die me­di­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit hier­für be­stand, im Ge­richts­we­ge ge­klärt. Pa­ti­en­ten soll­ten sich des­sen be­wusst sein. Da es bei den Kran­ken­häu­sern in der Re­gel nicht um Ab­rech­nungs­op­ti­mie­rung geht, son­dern um ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­hand­lung, die evtl. von dem be­stehen­den Ver­gü­tungs­sys­tem nicht ent­spre­chend ab­ge­bil­det wird, soll­ten die Pa­ti­en­ten ih­ren Kran­ken­kas­sen ge­gen­über ru­hig et­was kri­tisch ge­gen­über­ste­hen.

Für die Kran­ken­häu­ser ist es in die­sem Zu­sam­men­hang wich­tig, von den Pa­ti­en­ten mög­lichst schon bei Auf­nah­me ei­ne Er­klä­rung zur Ent­bin­dung von der ärzt­li­chen Schwei­ge­pflicht zu er­hal­ten, da­mit im Nach­hin­ein das Kran­ken­haus Ab­rech­nungs­strei­tig­kei­ten schnel­ler und mög­lichst oh­ne Zu­hil­fe­nah­me ei­nes Ge­rich­tes klä­ren kann.