Zahl der Be­hand­lungs­feh­ler rück­läu­fig?

Die ak­tu­el­le Sta­tis­tik der Gut­ach­ter­kom­mis­sio­nen und Schlich­tungs­stel­len bei den Ärz­te­kam­mern ver­zeich­net ei­nen leich­ten Rück­gang der An­trä­ge. Aber heißt das auch, dass we­ni­ger Feh­ler durch Ärz­te ver­ur­sacht wer­den? Was ist über­haupt bei Ein­lei­tung ei­ner Be­gut­ach­tung wich­tig?

Im Jahr 2015 gin­gen bei den Gut­ach­ter­kom­mis­sio­nen und Schlich­tungs­stel­len bei den Ärz­te­kam­mern 11.822 An­trä­ge zur Be­gut­ach­tung mög­li­cher Be­hand­lungs­feh­ler ein*. Da­mit sank die Zahl im Ver­gleich zum Vor­jahr von 12.053 ge­stell­ten An­trä­gen um 1,92 %. 11.245 An­trä­ge wur­den er­le­digt, wo­bei die­se Zahl auch an­hän­gi­ge An­trä­ge aus dem Vor­jahr be­inhal­tet. In 7.215 Fäl­len er­gin­gen Sach­ent­schei­dun­gen.

In ins­ge­samt 2.078 Fäl­len stell­ten die Ärz­te­kam­mern und Schlich­tungs­stel­len Be­hand­lungs­feh­ler fest, in 54 Fäl­len war der Ein­griff rechts­wid­rig, da die Ri­si­ko­auf­klä­rung vor dem Ein­griff man­gel­haft war. Bei rund der Hälf­te der Sach­ent­schei­dun­gen ging es um die Durch­füh­rung der Be­hand­lung und ope­ra­ti­ver The­ra­pi­en. Die weit über­wie­gen­de An­zahl der un­ter­such­ten Be­hand­lun­gen fand in Kran­ken­häu­sern statt, wo­bei si­ch rund 2.000 Fäl­le im Be­reich der Unfallchirurgie/​Orthopädie ab­spiel­ten.

Die Sta­tis­tik gibt ei­nen gro­ben Ein­bli­ck in die Ver­hält­nis­se, spie­gelt al­ler­dings nicht voll­um­fäng­li­ch die Ge­samt­si­tua­ti­on wie­der. Vie­le wei­te­re me­di­zi­ni­sche Be­gut­ach­tun­gen wer­den durch den Me­di­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­se durch­ge­führt, der ge­setz­li­ch Kran­ken­ver­si­cher­ten zur Ver­fü­gung steht. Teil­wei­se be­steht mit­hil­fe die­ser Gut­ach­ten die Mög­lich­keit ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung mit dem Be­hand­ler zu fin­den oder sie die­nen als Grund­la­ge ei­ner Kla­ge. Die Lan­des­ärz­te­kam­mern wer­den dann nicht mehr ein­ge­schal­tet.

Auf­fäl­lig an der Sta­tis­tik der Gut­ach­ter­kom­mis­si­on und Schlich­tungs­stel­len bei den Ärz­te­kam­mern ist, dass in nur knapp 2/3 al­ler Fäl­le Sach­ent­schei­dun­gen er­gin­gen. Die rest­li­chen 4.030 Fäl­le schei­ter­ten an for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen: die An­trags­stel­ler rie­fen die ört­li­ch oder sach­li­ch un­zu­stän­di­ge Stel­le an, lie­ßen An­trags­fris­ten ver­strei­chen oder es la­gen Ver­fah­rens­hin­der­nis­se vor. Das be­deu­tet, dass es in mehr als ei­nem Drit­tel der An­trä­ge in der Sa­che nicht zu ei­ner me­di­zi­ni­schen Be­gut­ach­tung kommt.

Un­ab­hän­gig da­von, wel­che Stel­le ei­ne Be­gut­ach­tung vor­nimmt, ist es wich­tig, si­ch mit kon­kre­ten Fra­gen und ei­ner prä­zi­sen Sach­ver­halts­dar­stel­lung an den Gut­ach­ter zu wen­den. Die Gut­ach­ter wol­len nicht nur die Vor- und Nach­be­hand­ler wis­sen, sie ver­lan­gen auch ei­ne Sach­ver­halts­schil­de­rung und die Be­nen­nung der Ge­sund­heits­schä­den. Vie­le Pa­ti­en­ten ver­lie­ren zwi­schen ju­ris­ti­schem und me­di­zi­ni­schem Kau­der­wel­sch den Über­bli­ck oder miss­ach­ten for­ma­le Vor­aus­set­zun­gen. Man­cher Pa­ti­ent schreckt auch schon da­vor zu­rück, weil in der oh­ne­hin schon be­las­ten­den Si­tua­ti­on die Fül­le der Fra­gen leicht das Ge­fühl der Über­for­de­rung we­cken kann.

Die haupt­säch­li­che Ar­beit für ei­nen Pa­ti­en­ten steht be­reits vor der Ein­lei­tung der Be­gut­ach­tung an: Die Be­hand­lungs­un­ter­la­gen soll­ten ein­ge­holt und aus­ge­wer­tet wer­den, je nach Be­hand­lungs­dau­er kön­nen die­se meh­re­re hun­dert Sei­ten um­fas­sen. Die Un­ter­la­gen mög­li­cher Vor- und Nach­be­hand­ler ge­hö­ren eben­falls da­zu, da meist nur mit de­ren Hil­fe ein Scha­den fest­stell­bar ist und der ge­sam­te Krank­heits­ver­lauf auf­ge­zeigt wer­den kann.

Die An­trags­fra­gen soll­ten nach Mög­lich­keit kon­kret for­mu­liert wer­den, um von Be­ginn an den Fin­ger in die Wun­de zu le­gen. An­ge­sichts des Um­fangs der Un­ter­la­gen sto­chert so man­cher Gut­ach­ter son­st im Ne­bel, wenn ihm ein­zig die Fra­ge ge­stellt wird, ob bei der Be­hand­lung ir­gend­et­was schief lief.

Die Gut­ach­ter, un­ab­hän­gig ob bei den Ärz­te­kam­mern, dem Me­di­zi­ni­schen der Kran­ken­kas­se oder bei Ge­richt, sind aus­schließ­li­ch für die Be­ant­wor­tung me­di­zi­ni­scher Fra­gen zu­stän­dig. Ei­ne ju­ris­ti­sche Wer­tung dür­fen sie nicht vor­neh­men, was auch die Aus­wer­tung des Gut­ach­tens teil­wei­se schwie­rig macht. Die Fra­ge, ob ein Be­hand­lungs­feh­ler vor­liegt und wel­che Kon­se­quen­zen dies hat, bleibt ei­ne ju­ris­ti­sche Ein­schät­zung. Für die Gel­tend­ma­chung von Schadensersatz- und Schmer­zens­geld, müss­te der Pa­ti­ent al­so auch no­ch das me­di­zi­ni­sche Fach­vo­ka­bu­lar in recht­li­che Wer­tun­gen „über­set­zen“.

Kei­ne leich­te Auf­ga­be! Wir bie­ten Ih­nen ger­ne Hil­fe bei der Ver­knüp­fung von me­di­zi­ni­schen mit ju­ris­ti­schen Fra­gen an.

Isa­bel­la Beer
Rechts­an­wäl­tin
Re­fe­rat für Me­di­zin­recht
Re­fe­rat für Ver­si­che­rungs­recht

* Quel­le: Sta­tis­ti­sche Er­he­bung der Gut­ach­ter­kom­mis­sio­nen und Schlich­tungs­stel­len für das Sta­tis­tik­jahr 2015, her­aus­ge­ge­ben von der Bun­des­ärz­te­kam­mer, Ar­beits­ge­mein­schaft der deut­schen Ärz­te­kam­mern, ab­ruf­bar un­ter: http://​www​.bun​desa​erz​te​kam​mer​.de/​p​a​t​i​e​n​t​e​n​/​g​u​t​a​c​h​t​e​r​k​o​m​m​i​s​s​i​o​n​e​n​-​s​c​h​l​i​c​h​t​u​n​g​s​s​t​e​l​l​e​n​/​b​e​h​a​n​d​l​u​n​g​s​f​e​h​l​e​r​-​s​t​a​t​i​s​t​i​k​-​2015/

Isabella Beer

Isa­bel­la Beer

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Isabella Beer

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