Des An­walts neue Klei­der

Ein An­walt klei­de­te sich für den Be­rufs­ein­stieg neu ein und kauf­te fünf An­zü­ge, zwölf Hem­den, drei Ho­sen und zwei Paar Schu­he im Ge­samt­wert von 3.830,95 €. In dem Ver­fah­ren vor dem Fi­nanz­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 26. März 2014 • Az. 6 K 231/12, ging es dann um die Fra­ge, ob die­se Aus­ga­ben als Wer­bungs­kos­ten ab­zieh­bar sind.

Der An­walt trug vor, dass die­se Aus­ga­ben Auf­wen­dun­gen für ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung sei­en, § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 6 EStG, näm­lich an­walts­ty­pi­sche Klei­dung. Denn die­se sei­en durch sei­ne Tä­tig­keit als Rechts­an­walt auf­grund der Er­war­tun­gen und Ge­pflo­gen­hei­ten hin­sicht­lich des äu­ße­ren Er­schei­nungs­bil­des an­ge­stell­ter Rechts­an­wäl­te in An­walts­so­zie­tä­ten ver­an­lasst. An­zug und Hemd wür­den als an­walts­ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt. Nach­dem der durch­schnitt­li­che Bür­ger, der im Rah­men sei­ner be­ruf­li­chen Tä­tig­keit nicht dar­auf an­ge­wie­sen sei, An­zug zu tra­gen, re­gel­mä­ßig nur ein bis zwei An­zü­ge be­sit­ze, sei die An­schaf­fung von meh­re­ren An­zü­gen kei­ne Auf­wen­dung für die all­ge­mei­ne Le­bens­füh­rung im Sin­ne des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG.

Das Fi­nanz­ge­richt Ham­burg schloss sich die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nicht an. Denn Auf­wen­dun­gen für Klei­dung sei­en eben­so wie Auf­wen­dun­gen für Woh­nung und Ver­pfle­gung grund­sätz­lich Kos­ten der Le­bens­füh­rung; die­se sei­en nach § 12 Nr. 1 Satz 2 des EStG auch dann nicht ab­zugs­fä­hig, wenn sie zur För­de­rung des Be­rufs oder der Tä­tig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen er­fol­gen. Die Be­rück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen für Be­klei­dung als Wer­bungs­kos­ten schei­de we­gen des Ab­zugs­ver­bots des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG be­reits im­mer dann aus, wenn die pri­va­te Be­nut­zung ei­nes Klei­dungs­stücks im Rah­men des Mög­li­chen und Üb­li­chen liegt. Da­nach kön­nen nur sol­che Klei­dungs­stü­cke zur ty­pi­schen Be­rufs­klei­dung ge­hö­ren, de­ren Ver­wen­dung für Zwe­cke der pri­va­ten Le­bens­füh­rung auf­grund be­rufs­spe­zi­fi­scher Ei­gen­schaf­ten so gut wie aus­ge­schlos­sen ist. Dies tref­fe et­wa auf den Frack ei­nes Lei­chen­be­stat­ters zu. Da­ge­gen sei es bei­spiel­haft in der Oper üb­lich, ei­nen An­zug zu tra­gen.

Dem Ur­teil des Fi­nanz­ge­richts ist zu­zu­stim­men. Denn die Vor­schrift des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG ist zur Wah­rung der gleich­mä­ßi­gen Be­steue­rung der Steu­er­pflich­ti­gen re­strik­tiv aus­zu­le­gen. Ty­pi­sche Be­rufs­be­klei­dung ist eben kei­ne Be­klei­dung, die noch ei­nem an­de­ren Zweck die­nen kann. In­wie­weit ein ge­ge­be­ner be­ruf­li­cher Mehr­auf­wand den­noch zu be­rück­sich­ti­gen ist, bleibt dem Ge­setz­ge­ber über­las­sen, der hier­zu aber kei­ne wei­te­re Re­ge­lung ge­schaf­fen hat.