Grund­zü­ge des Kin­des­un­ter­halts­rechts

Die Ver­pflich­tung zur Un­ter­halts­ge­wäh­rung von El­tern ge­gen­über ih­ren Kin­dern ist im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch durch ei­ne Fül­le von Pa­ra­gra­phen ge­re­gelt. In der Pra­xis ist die Un­ter­halts­ver­pflich­tung häu­fig An­lass von Rechts­strei­tig­kei­ten, was auch durch ei­ne um­fang­rei­che Recht­spre­chung zu ver­schie­de­nen Pro­ble­men des Kin­des­un­ter­halts be­legt ist.

Grund­sätz­lich sind „Ver­wand­te in ge­ra­der Li­nie“ (z.B. El­tern ge­gen­über ih­ren Kin­dern) ver­pflich­tet, ein­an­der Un­ter­halt zu ge­wäh­ren. So­lan­ge zwi­schen den El­tern und dem Kind ei­ne Le­bens­ge­mein­schaft be­steht, stellt der Kin­des­un­ter­halt meist kei­nen Streit­punkt dar. Dies än­dert sich oft mit der Tren­nung der El­tern. Meist ver­hält es sich so, dass ein El­tern­teil die Kin­der zu sich nimmt und der an­de­re El­tern­teil im Rah­men ei­nes Um­gangs­rechts mit den Kin­dern wei­ter­hin Kon­takt ha­ben kann.

Grund­sätz­lich schul­den bei­de El­tern­tei­le an­tei­lig nach ih­ren Einkommens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen Un­ter­halt für das ge­mein­sa­me Kind. Wenn je­doch ein El­tern­teil ein min­der­jäh­ri­ges un­ver­hei­ra­te­tes Kind be­treut, er­füllt die­ser El­tern­teil sei­ne Ver­pflich­tung zum Un­ter­halt des Kin­des durch die Pfle­ge und Er­zie­hung. Man spricht vom sog. Be­treu­ungs­un­ter­halt.

Dies hat zur Fol­ge, dass der nicht be­treu­en­de El­tern­teil nun­mehr al­lei­ne bar­un­ter­halts­pflich­tig ist. Mit Voll­jäh­rig­keit des Un­ter­halts­be­rech­tig­ten haf­ten wie­der bei­de El­tern­tei­le an­tei­lig nach ih­ren Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen.

Der Un­ter­halts­be­darf min­der­jäh­ri­ger so­wie voll­jäh­ri­ger Kin­der oh­ne ei­ge­ne Le­bens­stel­lung wird re­gel­mä­ßig nach den Be­trä­gen der Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le be­stimmt. Die Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le glie­dert sich zum ei­nen in Al­ters­stu­fen und in Ein­kom­mens­grup­pen. Zu­nächst ist zu be­stim­men, über wel­ches Net­to­ein­kom­men der Bar­un­ter­halts­pflich­ti­ge ver­fügt. Der zu zah­len­de Un­ter­halt er­höht sich mit stei­gen­dem Ein­kom­men. Die ers­te Ein­kom­mens­grup­pe reicht bis zu ei­nem Net­to­ein­kom­men von 1.500,00 € pro Mo­nat.

Dar­über hin­aus ist das Al­ter des Kin­des für die Be­mes­sung des Un­ter­halts von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Mit Er­rei­chen ei­ner hö­he­ren Al­ters­stu­fe er­höht sich auch der zu zah­len­de Be­trag. Die ers­te Al­ters­stu­fe reicht von 0 – 5 Jah­ren, die zwei­te Al­ters­stu­fe von 6 – 11 Jah­ren, die drit­te Al­ters­stu­fe von 12 – 17 Jah­ren und die letz­te Al­ters­stu­fe be­ginnt ab 18 Jah­ren.

Von den Be­trä­gen der Düs­sel­dor­fer Ta­bel­le ist bei Min­der­jäh­ri­gen das Kin­der­geld zur Hälf­te, bei Voll­jäh­ri­gen das Kin­der­geld in vol­ler Hö­he ab­zu­zie­hen. Erst dann er­gibt sich der vom Un­ter­halts­pflich­ti­gen zu leis­ten­de Zahl­be­trag.

Der Kin­des­un­ter­halt ist im Vor­aus für den lau­fen­den Mo­nat zu be­zah­len. Selbst wenn der un­ter­halts­pflich­ti­ge El­tern­teil den Un­ter­halt frei­wil­lig be­zahlt, emp­fiehlt es sich, ei­nen voll­streck­ba­ren Ti­tel zu er­rich­ten. Ne­ben ge­richt­li­chen Ti­teln, z.B. Ver­glei­che oder Be­schlüs­se, kann dies auch auf au­ßer­ge­richt­li­chem We­ge er­fol­gen. In der Pra­xis hat sich durch­ge­setzt, dass in die­sen Fäl­len ei­ne ent­spre­chen­de Ur­kun­de beim ört­lich zu­stän­di­gen Ju­gend­amt er­rich­tet wird.

Der Ge­setz­ge­ber hat aus­drück­lich fest­ge­legt, dass der Kin­des­un­ter­halt vor­ran­gig zu er­fül­len ist. Der Un­ter­halts­pflich­ti­ge ist bis zu ei­nem Selbst­be­halt von 950,00 € da­zu an­ge­hal­ten, sämt­li­chen Un­ter­halts­pflich­ten in vol­ler Hö­he nach­zu­kom­men. Erst wenn die­ser Selbst­be­halt un­ter­schrit­ten wird, kann der Un­ter­halts­pflich­ti­ge auf­grund feh­len­der Leis­tungs­fä­hig­keit die Er­fül­lung von Un­ter­halts­zah­lun­gen be­rech­tigt ver­wei­gern.

Dem Un­ter­halts­be­rech­tig­ten steht ge­gen­über dem Un­ter­halts­pflich­ti­gen ein Aus­kunfts­an­spruch über die Einkommens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se zu. An­hand der voll­stän­dig und rich­tig er­teil­ten Aus­kunft ist es mög­lich, den mo­nat­lich zu leis­ten­den Zahl­be­trag zu be­stim­men. Da be­reits bei der Ein­kom­mens­er­mitt­lung Schwie­rig­kei­ten auf­tau­chen kön­nen, emp­fiehlt es sich, be­reits früh­zei­tig qua­li­fi­zier­te Hil­fe in An­spruch zu neh­men.