Kaum zu glau­ben!

Ein jun­ger Mann und sei­ne eben­so jun­ge Frau (noch un­ter 30) hei­ra­ten. Sie wäh­len den Gü­ter­stand der Gü­ter­tren­nung.

Es wird ein schö­nes Fest.

Bei­de ste­hen sie voll in ih­rem Be­ruf und spa­ren sich je­den Eu­ro vom Mund ab, um sich ein Häus­chen zu bau­en und dann Kin­der zu krie­gen. Das mit dem Häus­chen klappt her­vor­ra­gend, denn sie kau­fen ge­mein­sam ein Grund­stück und bau­en ein Haus, das in hälf­ti­gem Mit­ei­gen­tum der Ehe­leu­te steht.

Das mit den Kin­dern klappt lei­der nicht.

Bei­de über­le­gen noch, ob sie ein Kind ad­op­tie­ren sol­len, da ge­schieht das Un­fass­ba­re: Der Mann ver­stirbt bei ei­nem Au­to­un­fall. Es gibt we­der ein ge­mein­sa­mes Tes­ta­ment der Ehe­leu­te, noch ein Ein­zel­tes­ta­ment des Ver­stor­be­nen. Des­sen El­tern le­ben schon lan­ge nicht mehr, wohl aber drei sei­ner Ge­schwis­ter. So­weit der Sach­ver­halt.

Bei je­der Um­fra­ge wür­den wohl 99% der Be­frag­ten – völ­lig ver­ständ­lich – äu­ßern, dass die jun­ge Ehe­frau Al­lein­er­bin nach ih­rem Mann wer­den wür­de, ihr al­so, nach­dem sie schon Ei­gen­tü­me­rin der ei­nen Haus­hälf­te ge­we­sen sei, nun­mehr Al­lein­ei­gen­tü­me­rin des ge­sam­ten Hau­ses wä­re.

So nach­voll­zieh­bar die­se Ant­wort ist, so ist sie doch recht­lich nicht zu­tref­fend.

Nach § 1931 BGB ist der über­le­ben­de Ehe­gat­te ne­ben Ver­wand­ten der so ge­nann­ten „zwei­ten Ord­nung“ nur zur Hälf­te als ge­setz­li­cher Er­be be­stimmt.

Die ge­setz­li­chen Er­ben „zwei­ter Ord­nung“ sind die El­tern des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes und sei­ne Ge­schwis­ter! Das be­deu­tet, dass oh­ne Tes­ta­ment die le­ben­den Ge­schwis­ter zu­sam­men ¼ des Hau­ses (al­so die Hälf­te der Haus­hälf­te, die dem Ehe­mann ge­hör­te) er­ben.

Plötz­lich sind die Ge­schwis­ter Mit­ei­gen­tü­mer des Hau­ses!

Ei­nigt man sich nicht güt­lich, wie die­ses Haus­vier­tel auf die Ehe­frau zu über­tra­gen ist, so kön­nen die Er­ben ge­wor­de­nen Ge­schwis­ter des Ehe­man­nes so­gar ei­nen Ver­stei­ge­rungs­an­trag zum Zweck der Auf­he­bung der Mit­ei­gen­tums­ge­mein­schaft stel­len.

Des­halb: auch in jun­gen Jah­ren ist man gut be­ra­ten, ei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung zu er­rich­ten, al­so ein Tes­ta­ment zu schrei­ben.

Ellen Sandfuchs

El­len Sand­fuchs

Fach­an­wäl­tin für Erbrecht
Fach­an­wäl­tin für Ver­kehrs­recht
Te­le­fon: 0981/972123 – 97
E-​Mail: sandfuchs@​meyerhuber.​de
Ellen Sandfuchs

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