Steu­er­fahn­dung im Haus?

Es fühlt sich gar nicht gut an, wenn man Ziel ei­ner völ­lig über­ra­schen­den Durchsuchungs- und Be­schlag­nah­me­ak­ti­on ist. Zwar klin­geln die (meist — je­den­falls an­fangs) freund­li­chen Da­men und Her­ren der Steu­er­fahn­dung nicht mit­ten in der Nacht, aber um sie­ben Uhr mor­gens geht es los!

Dann ste­hen schon mal zehn bis fünf­zehn Per­so­nen im Wohn­zim­mer und/oder im Bü­ro und prä­sen­tie­ren ei­nen rich­ter­li­chen Durch­su­chungs­be­schluss. Die Woh­nung, die Ge­schäfts­räu­me, die Per­son des Ver­däch­ti­gen (die be­rühm­ten Ho­sen­ta­schen nicht zu ver­ges­sen), al­le Ge­gen­stän­de in sei­nem Be­sitz wer­den ge­nau­es­tens un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Und zwar so ex­akt, dass ver­lo­ren Ge­glaub­tes von den Fahn­dern wie­der ge­fun­den wird (Pra­xis­fall: ver­schwun­de­ner Tre­sor­schlüs­sel).

Ein weit ver­brei­te­ter Irr­tum ist, dass sol­che Maß­nah­men spon­tan er­fol­gen. Nein, die Fahn­der ha­ben ei­nen mo­na­te­lang vor­be­rei­te­ten Ein­satz­plan und al­le wich­ti­gen Un­ter­la­gen! Sie ken­nen al­le per­sön­li­chen Da­ten, die Bank­ver­bin­dun­gen, et­wai­ge Vor­stra­fen, Un­ter­neh­men (Form, Be­tei­li­gungs­ver­hält­nis­se, Ge­schäfts­füh­rung, wich­ti­ge Mit­ar­bei­ter), Haus- und Fir­men­ge­bäu­de (an­hand der Bau­plä­ne); wis­sen über Si­che­rungs­vor­keh­run­gen und Auf­be­wah­rungs­or­te von Ak­ten, Geld und Wert­sa­chen Be­scheid. Selbst über die Psy­che des Be­trof­fe­nen (leicht er­reg­bar und ag­gres­siv, ru­hig und zu­rück­hal­tend) ha­ben sie sich bei Be­triebs­prü­fern in­for­miert.

Was aber kann der Be­trof­fe­ne tun? Zu­nächst – und sehr wich­tig – Ru­he be­wah­ren und die Über­sicht be­hal­ten. So­dann ei­nen er­fah­re­nen Steu­er­be­ra­ter und Rechts­an­walt in­for­mie­ren und bei­zie­hen, denn ge­ra­de im An­fangs­sta­di­um der Fahn­dung kann Vie­les falsch, aber auch Vie­les rich­tig ge­macht wer­den! Steu­er­recht­li­che Sach­ver­hal­te sind häu­fig sehr kom­plex, des­halb soll­te zu Tat­vor­wür­fen zu­nächst vom Be­trof­fe­nen ge­schwie­gen und erst nach qua­li­fi­zier­ter Ana­ly­se ei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben wer­den.

Ei­ne sinn­vol­le Ver­tei­di­gung darf näm­lich nicht erst in der Haupt­ver­hand­lung be­gin­nen, son­dern muss um­sich­tig und fach­lich fun­diert ge­ra­de ver­su­chen, die­se Haupt­ver­hand­lung nach Mög­lich­keit und Kräf­ten zu ver­hin­dern.

Dr. Alfred Meyerhuber

Dr. Alfred Meyerhuber

Fachanwalt für Steuerrecht
Fachanwalt für Erbrecht
Telefon: 0981/972123-80
E-Mail: a.meyerhuber@meyerhuber.de
Dr. Alfred Meyerhuber

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