Arz­nei­mit­tel aus dem Au­to­ma­ten ?

Ge­ra­de im länd­li­chen Raum ist die Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung mit Arz­nei­mit­teln nicht im­mer ge­währ­leis­tet, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn ei­ne her­kömm­li­che Apo­the­ke nicht wirt­schaft­lich zu be­trei­ben ist. Oft er­ge­ben sich län­ge­re Fahr­stre­cken über Land bis ei­ne Apo­the­ke er­reicht wer­den kann.

Aus die­sem Grund ha­ben Ver­san­d­apo­the­ken im­mer grö­ße­ren Zu­lauf. Was aber zeich­net die Ver­sor­gung durch ei­ne Apo­the­ke aus?

Wich­tig für den Kun­den bzw. Pa­ti­en­ten ist die fach­kun­di­ge Be­ra­tung, die Auf­klä­rung über die ein­zu­neh­men­den Arz­nei­mit­tel so­wie die Kon­trol­le, dass der Pa­ti­ent auch ge­nau das Arz­nei­mit­tel er­hält, was der Arzt ver­ord­net hat. Ge­ra­de die Ab­ga­be­kon­trol­le ist für den Pa­ti­en­ten im Sin­ne der Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit be­son­ders wich­tig.

Um die Ver­sor­gung für die Pa­ti­en­ten zu er­leich­tern kam es im­mer wie­der vor, dass Apo­the­ken in Su­per­märk­ten gut sicht­ba­re Brief­käs­ten auf­ge­stellt ha­ben, in de­nen die Kun­den ih­re Re­zep­te für ih­re ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­tel ein­le­gen konn­ten und dann über ent­spre­chen­de Bo­ten die Arz­nei­mit­tel nach Hau­se ge­lie­fert be­ka­men.

Die­se Form, der für den Kun­den si­cher­lich sehr be­que­men Mög­lich­keit sich mit Arz­nei­mit­teln zu ver­sor­gen, ist je­doch nicht zu­läs­sig. Das OLG Hamm hat am 12.05.2015, Az.: 4 U 53/15, ent­schie­den, dass ei­ne Re­zept­samm­lung in Su­per­märk­ten ge­gen § 24 Abs. 1 und 2 Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung ver­stößt. Ein Ver­stoß liegt da­nach ins­be­son­de­re vor, wenn die not­wen­di­ge be­hörd­li­che Er­laub­nis nicht vor­liegt und wenn die Re­zept­sam­mel­stel­le sich in ei­nem Ge­wer­be­be­trieb be­fin­det. Su­per­märk­te sind re­gel­mä­ßig Ge­wer­be­be­trie­be, so­dass ge­gen ei­ne der­ar­ti­ge Form der Re­zept­samm­lung durch ent­spre­chen­de Un­ter­las­sungs­ver­fü­gung be­geg­net wer­den kann.

Ei­nen an­de­ren Weg ging DocMor­ris in Ba­den Würt­tem­berg. Dort wur­de ein Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be­au­to­mat auf­ge­stellt. Der Kun­de konn­te dort über ei­ne Vi­deo­schal­tung ei­ne phar­ma­zeu­ti­sche Be­ra­tung er­hal­ten. Rechts ne­ben dem Vi­deo­ter­mi­nal ist ein Be­zahl­ter­mi­nal auf­ge­baut, in dem über Kre­dit­kar­te oder EC- Kar­te die Be­zah­lung vor­ge­nom­men wer­den kann. Links von dem Vi­deo­ter­mi­nal ist der Me­di­ka­men­ten­aus­ga­be­au­to­mat auf­ge­stellt. Das Me­di­ka­ment wird dann über ei­ne Zu­lie­fe­rung aus dem La­ger im Kel­ler in den Au­to­ma­ten voll­au­to­ma­tisch ab­ge­ge­ben, so­dass der Kun­de das Me­di­ka­ment her­aus neh­men kann.

Die­se Form der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be wur­de in Ba­den Würt­tem­berg zu­nächst un­ter­sagt, da ein Ver­stoß ge­gen meh­re­re apo­the­ken­recht­li­che Vor­schrif­ten vor­liegt. Bei die­ser Form der Ab­ga­be ist kei­ner­lei Ab­ga­be­kon­trol­le ge­ge­ben. Selbst wenn ei­ne Arz­nei­mit­tel­be­ra­tung über Vi­deo er­folgt, hat der Kun­de letzt­lich kei­ne Ge­währ, dass der Au­to­mat das Arz­nei­mit­tel aus­gibt, wel­ches vom Arzt ver­ord­net ist. Die Fol­ge ei­ner fal­schen Arz­nei­mit­tel­ein­nah­me kann ver­hee­rend sein, mit­un­ter er­heb­lich ge­sund­heits­schäd­lich bis töd­lich. Bei den oft sehr ähn­li­chen Arz­nei­mit­tel­be­zeich­nun­gen kann der ein­zel­ne Kun­de selbst nicht si­cher un­ter­schei­den, ob das ab­ge­ge­be­ne Prä­pa­rat dem ver­ord­ne­ten ent­spricht.

Von da­her sind in­no­va­ti­ve For­men der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung in vie­ler­lei Hin­sicht so­wohl arz­nei­mit­tel­recht­lich wie apo­the­ken­recht­lich zu hin­ter­fra­gen. Ins­be­son­de­re muss aber im­mer die Pa­ti­en­ten­si­cher­heit im Vor­der­grund ste­hen. Letzt­lich sind Pa­ti­en­ten im­mer dann gut be­ra­ten, wenn sie ei­ne Apo­the­ke vor Ort auf­su­chen kön­nen und sich ih­re ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Prä­pa­ra­te nach per­sön­li­cher Be­ra­tung in der Apo­the­ke di­rekt ab­ho­len kön­nen.